Sandboarden im Death Valley

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Julien Petry und die beiden Rip Curl-Mädels Marion Haerty & Olya Smeshlivaya haben sich während ihres Kalifornien-Trips auf Sandboarden eingelassen. Eine Geschichte über ein unvergessliches Abenteuer im Death Valley.

Julien ist französischer Fotograf und verbringt seine Winter damit, Snowboard-Pros um die Welt zu folgen und ihr Leben zu dokumentieren. Vergangenen Sommer war er mit den Rip Curl-Fahrerinnen Marion Haerty und Olya Smeshlivaya in Kalifornien. Auf dem Weg von Big Bear nach Mammoth kamen sie am Death Valley vorbei. Wäre das nicht der perfekte Ort, um Sandboarden auszuprobieren?

Die Gebirge aus Sand bieten einen unvergesslichen Anblick
Die Gebirge aus Sand bieten einen unvergesslichen Anblick

Wer geht schon Sandboarden?

Ich war Sandboarden gegenüber immer recht kritisch eingestellt. Bevor ich mich vergangenen Sommer nach Kalifornien aufmachte, verbrachte ich mit den Jungs von Absinthe Films [Snowboardfilmproduktion; Anm. d. Red.] eine Woche in Italien. Einer der Fahrer, Keegan Valaika, zeigte mir seine Sammlung analoger Fotos, darunter auch einige unglaublich gute vom Sandboarden in den Dünen von Salt Lake City. Er hatte eine Menge Spaß und die Idee setzte sich irgendwo in meinem Hinterkopf fest.

Das fahrbare Zuhause der Truppe
Das fahrbare Zuhause der Truppe

In den USA angekommen, klärte mich Rip Curl’s Teammanager Raphael Delfour über das Programm des bevorstehenden Trips auf. Es war der perfekte Kalifornien-Roadtrip! Mit dem Wohnmobil durch den ganzen Staat tingeln, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Klar, Snowboarden würde im Vordergrund stehen, aber für Skateboarden und Surfen bleibt bei solch einem Trip immer genug Zeit! Aus meinem Hinterkopf drängten sich Keegans Fotos vom Sandboarden nach vorne. Da unsere Route am Death Valley vorbeiführen würde und mir die mächtigen Dünen in Erinnerung geblieben waren, die sich dort neben der Straße gen Himmel auftürmten, schlug ich der Truppe den Abstecher vor.

Wenn die zwei wüssten, wie viel Weg noch vor ihnen liegt, würden sie wohl nicht so entspannt in die Kamera lächeln
Wenn die zwei wüssten, wie viel Weg noch vor ihnen liegt, würden sie wohl nicht so entspannt in die Kamera lächeln

Gebirge aus Sand

Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen. Verständlich, denn hätte ich nicht gerade erst diese Fotos gesehen, hätte mir so ein Vorschlag nur ein müdes Lächeln abgerungen. Doch zum Glück gab es einen Campingplatz unweit der Dünen und so konnte ich die beiden Mädels überzeugen, dem Ganzen eine Chance zu geben.

Die Sonne verschwand gerade hinter dem Horizont, als wir unser mobiles Zuhause auf den Campingplatz lenkten. Draußen waren es immer noch gute 30° C. Das Death Valley liegt mitunter 90 Meter unter dem Meeresspiegel und ist für seine extrem hohen Temperaturen berühmt. Es trägt seinen Namen schließlich nicht umsonst. Mit 56,7 °C hält das Death Valley immer noch den weltweiten Hitzerekord, doch das hielt uns nicht davon ab, den Tag mit BBQ und Lagerfeuer ausklingen zu lassen.

Die aufkommende Hitze macht die Wanderung zu einer echten Herausforderung
Die aufkommende Hitze macht die Wanderung zu einer echten Herausforderung

Um 4.30 Uhr riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Den Sonnenaufgang in der Wüste wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen! Zum Sandboarden hatten wir uns eine Düne ausgesucht, die ca. 150 Meter vom Campingplatz entfernt war. Dachten wir. Die Sache ist, dass du dich als Unerfahrener in der Wüste nicht nur auf dein Gefühl verlassen solltest. Wir hatten uns mächtig verschätzt mussten statt der geplanten 15 Minuten eineinhalb Stunden auf dem sandigen Grat entlangwandern, bis wir am Ziel waren.

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages beschenkten uns mit einem einzigartigen Farben- und Schattenspiel, das uns für einige Momente völlig in seinen Bann zog. Kurze Zeit später waren wir auf dem Gipfel der Düne angelangt. Zeit für Sandboarden. Es war für uns alle das erste Mal. Man sah Olya und Marion an, dass sie sich noch immer nicht sicher waren, ob die ganze Sache wirklich funktionierte. Als sie in die Bindungen ihrer Boards stiegen, schienen diese wie auf dem Sand festgebacken. Das sollte wirklich funktionieren?

Die anfänglichen Zweifel sind schnell aus dem Weg geräumt und machen großer Begeisterung Platz
Die anfänglichen Zweifel sind schnell aus dem Weg geräumt und machen großer Begeisterung Platz

Die Überraschung

Es klappte wirklich! Die ersten Meter waren ziemlich steil, doch wenn man auf Sand rutschen möchte, ist das nur von Vorteil. Man muss sein Board in Fahrtrichtung bringen und die Neigung zur Beschleunigung nutzen. Denn anders als beim Snowboarden kannst du nicht springen und pushen, um Geschwindigkeit zu erzeugen. Sobald du das probierst, wechselst du vom Gleiten in einen Tomahawk-artigen Schleudergang. Sobald du an Fahrt gewonnen hast, fühlt es sich großartig an und du kannst deine Kanten sachte in den Sand drücken und die Kurven genießen.

Mit dem Snowboard in die Wüste? Die Welt steht kopf...
Mit dem Snowboard in die Wüste? Die Welt steht kopf…

„Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich einmal im Death Valley, diesem magischen Ort, Sandboarden würde. Und es funktionierte überraschend gut! Das nächste Mal können wir vielleicht unsere Splitboards mitnehmen, um noch bessere Lines zu finden!“ – Marion Haerty

Als wir unsere Session gegen 10 Uhr beendeten, war das Thermometer bereits auf 40° C geklettert und die Schatten, die ein wenig Schutz vor der Sonne boten, verschwunden. In Anbetracht der Touristen-Scharen, die uns zurück am Campingplatz erwarteten, beschlossen wir, zügig in Richtung Berge weiterzuziehen.

Sandboarden macht zu zweit einfach mehr Spaß!
Sandboarden macht zu zweit einfach mehr Spaß!

Leider haben wir keine Dünen vor der eigenen Haustüre, denn ehrlich gesagt, hat Sandboarden mächtig viel Spaß gemacht! Wenn ihr also irgendwann auf euren Reisen an ähnlich imposanten Sand-Gebirgen vorbeikommt, wünsche ich euch, dass ihr euer Snowboard im Kofferraum habt. Zögert nicht, es lohnt sich!

Der Film zum Kalifornien-Trip

 

 

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Text & Fotos: Julien Petry
Deutsche Bearbeitung: Felix Schäfer