Meeresschildkröten – ein Touristen-Event
Von dem erhöhten Steg konnten wir die Schildkröten besten sehen. Sie waren wirklich riesig, ein bis zwei Meter im Durchmesser, wie überdimensionierte dunkle Teller schwebten sie um die Boote herum. Plötzlich sprangen ein paar Menschen ins Wasser. Mit Brille und Schnorchel schwammen sie aufgeregt zwischen den Schildkröten herum.
So funktionierte das also. Schwimmen mit den Riesenschildkröten war wieder mal ein veranstaltetes Touristen-Event, bezahlt und auf Massen ausgelegt. Kreischende Frauen und prustende Männer wirbelten das Wasser auf, Fotoapparate wurden gezückt, Geldscheine wechselten den Besitzer. Wir waren enttäuscht. Trotzdem buchten auch wir so ein Bötchen, in dem vollen Bewusstsein, ebenfalls Touri zu sein und mit dem besten Bestreben, etwas Gutes für uns dabei herauszuholen.
Mit einem chilenischen Pärchen und einem Steuermann tuckerten wir schließlich los, zunächst gab es eine kleine Rundfahrt. Das war schon schön, wir stolperten über das ein oder andere Postkartenmotiv und der frische Wind tat gut. Kurz darauf ging schon wieder Richtung Steg, wo die Schildkröten auch von unserem Boot aus angefüttert wurden. Das war mir zwar unangenehm, aber ich verstand, dass die Menschen hier damit gutes Geld verdienen konnten.
Als die ersten Schatten neben unserem Boot auftauchten, rief unser Steuermann, wir sollten rein springen. Etwas verschüchtert von dieser seltsam inszenierten Situation kletterten wir über den Bootsrand und ließen uns ins Meer gleiten.
Schwimmen mit den majestätischen Riesen
Wusch – etwas Riesiges schwamm ganz nah an mir vorbei. Doch die Wasseroberfläche spiegelte so stark, dass ich nicht erkennen konnte, was unter oder neben mir war. Ein unheimliches Gefühl. Plötzlich spürte ich etwas hartes unter meinen Füßen, ich hätte mich hinstellen können. Eine Schildkröte war direkt unter mir hindurch geschwommen!
Aufgeregt drehte ich den Kopf, suchte das Wasser ab. Die Schildkröten bemerkte ich aber erst, wenn sich das Wasser direkt neben mir bewegte. Alles sehr beunruhigend. Ich hätte sie gerne gesehen, dann hätte ich auch mit ihnen schwimmen können. In unserem Boot gab allerdings nur eine Taucherbrille und die hatte das chilenische Pärchen in Beschlag genommen.
Hautnah mit den Meeresschildkröten schwimmen. Dieses Video lässt euch live dabei sein.
Hauptsache bezahlt
Und dann mussten wir auch schon wieder raus. Der Bootsmann wollte noch mehr Geld mit anderen Touristen verdienen, deswegen ging alles sehr zackig. Innerhalb von Minuten standen wir wieder auf dem Steg. Das war es also. Wir waren mit riesigen Schildkröten im Meer geschwommen. Klingt eigentlich ganz toll, aber in diesem touristischen Rahmen hatte sich die ganze Aktion eher unangenehm angefühlt. Wir kamen uns ausgenutzt vor, Hauptsache bezahlen, der Rest ist egal.
Eine halbe Stunde schauten wir dem Treiben noch zu, von hier oben konnte man die majestätischen Tiere viel besser beobachten. Irgendwie traurig, dass so schöne Geschöpfe für eine Hand voll Soles wie abgerichtete Tiere angelockt und zur Schau gestellt werden. Für ein paar Minuten Erlebnis, eine Geschichte, die man zu Hause stolz erzählen kann. Mit den Riesenschildkröten im Meer geschwommen!
Ja, das waren wir auch, aber die gierige Atmosphäre ließ uns bald den Heimweg antreten. Schon am nächsten Tag packten wir unsere Sachen und ließen den Strandort hinter uns. Lieber wieder in die Berge. Mehr Natur, weniger Mallorca-Feeling.

Gespannt auf die nächste Station? Da geht es hoch hinaus, wir brechen unsere Höhenrekorde in den Anden Perús bei Station 8.






