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South America Goes Outdoor – 6 | Vilcabamba

Station 6: Ecuador, Vilcabamba:

Ein Hippie-Dorf, ein hilfsbereiter Esel, eine Bergtour ohne Rückweg, hundertjährige Männer und zerknitterte Berge. Aber halt, wie bin ich hierhin gekommen?

Mit der besten Freundin auf Entdeckungsreise in Südamerika – ein Traum, den wir uns im Sommer 2014 erfüllten. Gemeinsam bereisten wir Ecuador, Peru, Bolivien und Chile in weniger als drei Monaten. Und als Naturliebhaber kamen wir natürlich nicht umhin, das üppige Outdoor-Angebot wahrzunehmen. Auf unserer Reise kannst du uns zu insgesamt 12 Stationen begleiten!

Wir hatten von einem abgeschiedenen Hippie-Dorf im Süden Ecuadors gehört, fernab von Touristenmassen und mit herrlichsten Berglandschaften. Außerdem wohl ein bekannter Treffpunkt für Rucksacktouristen. Wir fühlten uns sehr angesprochen und machten uns daraufhin auf die Reise in Richtung Vilcabamba an der Grenze zu Peru.

Vilcabamba: Alternative Argentinier und hundertjährige Männer

Was wir vorfanden, war ein verschlafenes Örtchen, zwischen die Hänge grün-brauner Berghänge geklebt. Das Hostel, in dem wir unterkamen, war tatsächlich ein ziemlicher Hippie-Verschnitt, mit einem bunten Innenhof voller Hängematten, alternativen Argentiniern und einer reichlich verdreckten Gemeinschaftsküche.

Auf den fast leeren Straßen trafen wir bei einer ersten Erkundungstour zwei uralte Männer an, die gemütlich auf einer Steinmauer saßen und über das Leben und uns junge Rucksacktouristen lächelten. Sie waren mindestens hundert Jahre alt, und erklärten uns mit zahnlosem, freundlichem Lachen etwas, was wir absolut nicht verstanden (obwohl wir des Spanischen mehr oder wenig mächtig waren). Jedenfalls hatten wir ein nettes Gespräch, in dem zwar die Worte nicht, dafür aber die Gesten verstanden wurden.

Die Bergwanderung ins Nichts

Natürlich war klar, dass wir die Berge um uns herum erwandern mussten, deshalb fragten wir uns bei den Locals durch nach einem geeigneten Einstieg oder einer guten Tour. Tatsächlich hätten wir angeblich auch nur einer Straße folgen müssen, an der verschiedene Wege mit bunten Schildern markiert waren. Das Schild mit der Nummer 5 sollte wohl die perfekte Bergtour, nicht zu schwer, nicht zu langweilig mit hinreißender Aussicht und anschließendem Rückweg sein.

Ein Schild fanden wir dann auch schließlich und bogen ab in ein ausgetrocknetes Flussbett umgeben von wildem Grün. Wegen einer Kleinigkeit hatten wir uns zuvor gestritten – ja, auch das passiert mit guten Freunden auf Reisen – und so verlief der Aufstieg in ungemütlichem Schweigen. Um uns herum wellten sich grüne Hügel und rötliche Felsen, an steilen Hängen grasten gemütlich Kühe, seltsame Blumen hingen von den Bäumen herab. Kurz: unsere Umgebung war so schön, dass sie unsere schlechte Stimmung einfach wegschmolz.

Die schöne Natur schmolz unsere trübe Stimmung
Die schöne Natur schmolz unsere trübe Stimmung

Zerknitterte Faltengebirge

Das Gelände wurde zunehmend steiler, ein kleiner Trampelpfad schlängelte sich stetig den Berg hinauf. Wir hörten nur die laute Stille und unseren leisen Atmen, konzentrierten uns ganz auf den Weg, unsere Füße und die klare Luft. Plötzlich erreichten wir einen Peak und vor uns entrollte sich ein unglaubliches Panorama. Die Berghänge um uns herum sahen ganz verknittert aus und die Wolken warfen ein eigenartiges Schatten- und Lichtspiel auf die Szenerie. Irgendwo hinter uns lag Vilcabamba, vor uns die ganze Welt!

Wir dachten gar nicht nach, sondern folgten einfach dem Trampelpfad weiter, jetzt bergab, tief hinein in die zerknitterten Berge. Die trübe Stimmung war dahin, ausgelassen wanderten wir den Berg hinunter und kamen schließlich wieder in ein Tal, ein ausgetrocknetes Flussbett neben uns. Wo waren wir eigentlich? Bis zum Sonnenuntergang fehlten nur noch zwei Stunden, drei Stunden waren wir schon gewandert. Also entweder in der Dunkelheit den Weg zurücklaufen, den wir gekommen waren, mit der Gefahr, vom Weg abzukommen oder zu stürzen, oder einfach weiter gehen, und schauen, was uns erwartet?

Ob wir abgestürzt sind, oder nicht, gibt es auf der nächsten Seite zu lesen.

Tags : EcuadorVilcabamba

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