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South America goes Outdoor – 1 | El Angel Nationalpark

Station 1: El Angel, Ecuador
Auf Schmugglerpfaden durch einen Wald aus Riesenmönchen, an der nebeligen Grenze zu Kolumbien auf 3.700 Metern Höhe.
Aber halt, wie bin ich hierhin gekommen?

Mit der besten Freundin auf Entdeckungsreise in Südamerika – ein Traum, den wir uns im Sommer 2014 erfüllten. Gemeinsam bereisten wir Ecuador, Peru, Bolivien und Chile in weniger als drei Monaten. Und als Naturliebhaber kamen wir natürlich nicht umhin, das üppige Outdoor-Angebot wahrzunehmen. Auf unserer Reise kannst du uns zu insgesamt 12 Stationen begleiten!

In Ecuador gelandet, überlegten wir erstmal, wie wir diese Reise am besten angehen könnten. In einem Reiseführer lasen wir dann von einem Naturschutzgebiet im Norden Ecuadors an der Grenze zu Kolumbien. Und aus dem Bauch heraus entschieden wir uns, zu diesem Ort zu fahren. Wir waren jung und frei, wieso also nicht gerade dort die Reise beginnen?

Nach einer längeren Busfahrt erreichten wir schließlich das Städtchen „El Angel“, nachdem das Naturschutzgebiet benannt ist. Wir quartieren uns in einem der drei zur Auswahl stehenden Hostels ein und schlenderten ein bisschen durch die Straßen. Dabei lernten wir einen netten Taxifahrer kennen, der sich auch flugs anbot, uns am nächsten Morgen in das eineinhalb Stunden entfernte Naturreservat zu fahren. Gesagt, getan und so schaukelten wir tags darauf auf unbefestigten Straßen gen Norden. Tatsächlich saßen wir eng gekuschelt zu zweit und unangeschnallt auf dem Beifahrersitz. Damit nehmen es die Ecuadorianer nicht zu genau.

El Angel Nationalpark, Ecuador

Das Wetter war nicht allzu vielversprechend, dicke Wolken und Nebelschwaden begleiteten unseren Weg. Nach einer gefühlten Ewigkeit hielten wir irgendwo im nebeligen Nichts auf einem leeren Schotterparkplatz an. „Wir sind da!“, verkündete der Taxifahrer stolz. Da wurde uns doch etwas mulmig zumute. Von einem Naturpark war nämlich nichts zu sehen und schlimme Geschichten hört man immer wieder. Sollte die erste Station unserer Reise schon übel ausgehen? Aber nein, in diesem Fall war unser Misstrauen unbegründet. Der Taxifahrer war nämlich überaus nett und führte uns auch gleich zum Einstieg des Parkrundweges. Er versprach sogar, dort auf uns zu warten.

Südamerika, Riesenmönche, Nebel
Riesenmönche im Nebel (Quelle: Paramo)

Schmuggler und Riesenmönche

So folgten wir also einem schmalen Pfad den Hügel hinauf, der früher nicht von Touristen, sondern von Schmugglern in Richtung kolumbianische Grenze benutzt wurde (laut Reiseführer auch heute noch eine gefährliche Gegend). Der Nebel war so dicht, dass wir kaum ein paar Schritte weit sehen konnten. Aber die seltsamen riesigen Pflanzen zu beiden Seiten des Weges fielen uns trotzdem ins Auge. Solche Pflanzen hatten wir noch nie gesehen (tatsächlich gibt es sie nur an diesem Ort!). Manche kauerten sich in die Wiese, andere wuchsen mehrere Meter in die Höhe, aber alle sahen genau gleich aus. Ich konnte nicht anders, ich musste diese Pflanze berühren. Und oh wie flauschig waren die Blätter! Und als die Nebel/-Wolkenbänke (wir befanden uns auf 3.700 m Höhe, ich weiß nicht, ab wann Nebel zu Wolken werden und umgekehrt) kurz aufrissen, erstreckten sich die grünen Hügel mit diesen seltsamen Pflanzen bis zum Horizont. Eine unbestreitbar beeindruckende Aussicht! Der Reiseführer verriet uns später auch den Namen der Pflanzen: Frailejones Gigantes, zu Deutsch Riesenmönche.

Diese Mönche waren tatsächlich maßgeblich beteiligt an der ganz speziellen Stimmung, die dieser Ort ausstrahlte. Die Erde unter unseren Füßen war dunkel und feucht, fast schwarz und jeder Schritt fühlte sich an, als würden wir auf Watte gehen. Der mystische Nebel verstärkte dieses Watte-Gefühl noch, gemeinsam mit einer ganz ungewöhnlichen Stille. Außer uns war niemand zu sehen.

Kalte Lagunen

Als wir den ersten Hügel erklommen hatten, erblickten wir zwei Lagunen in einem kleine Tal, der Rundweg führte uns hinunter ans Ufer. Wir sprachen kaum, waren ganz gefangen von diesem weichen, stillen Ort, der einem Märchenbuch zu entstammen schien. Wir wanderten langsam, wie Schlafwandler. Das Wasser war kalt und seidig. Am liebsten wäre ich für immer dort geblieben. Aber der Taxifahrer wartete ja noch! Also rissen wir uns irgendwann los, unwillig, und ließen die verwunschenen Lagunen hinter uns. Die Riesenmönche begleiteten uns zurück zum Parkplatz.

Ecuador, El Angel Nationalpark, Lagune
Ausblick auf die zwei Lagunen des Nationalparks El Angel

Da der Hinweg doch etwas zu kuschelig für unseren Geschmack war, fragten wir, ob wir nicht hinten auf der Ladefläche sitzen dürften. Und so saßen wir den ganzen Rückweg in einem Anhänger mit offener Ladeplane, Wind in den Haaren und Schlaglöcher in den Knochen. Der weiche stille Ort hing mir noch lange nach. Sogar heute noch, im europäischen Alltagschaos träume ich mich manchmal zurück an meine kleine Zauberoase.

Unser erstes Natur-Outdoor-Erlebnis in Südamerika war also eher ruhiger Art. Wie die Reise weiter ging, gibt es bei Station 2 zu lesen. Auch diese Station hat übrigens etwas mit Bergen und Lagunen zu tun.

Tags : EcuadorEl Angel

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