Kaum zu glauben, aber inzwischen ist das Pedal-Gokart über 50 Jahre alt und hat bei den Kids nichts an Attraktivität eingebüßt. Trotz der vielen coolen Junior-Mountainbikes besitzt das Gokart einen ganz eigenen Reiz. Mit zahlreichen Sondermodellen, wie dem hier vorgestellten Berg Jeep Junior, kommt man auch Papas Träumen nach einer Dschungeldurchquerung mit einem Jeep Rubicon ziemlich nahe …
Viel geläufiger als der Begriff Gokart ist im deutschen Sprachgebrauch das Kettcar. Das bereits in den Sechzigern von Kettler eingeführte Kettcar ist der Vorläufer und Ursprung aller heutigen, pedalgetriebenen Gokarts. Die Wortmarke Kettcar gehört natürlich dem Traditionshersteller aus dem Sauerland. Heute teilen sich einige Firmen den Markt, darunter nach wie vor Kettler mit zahlreichen Modellen. Mit über 30 Jahren Erfahrung und einer großen Zahl an sehr hochwertigen Premium-Gokarts ist heute aber die holländische Firma Berg Weltmarktführer.
Wir wollten einmal sehen was moderne Gokarts heutzutage leisten können und haben uns ein Berg Jeep® Junior für einen Test mit Kimi (3) organisiert. Bevor es in den Matsch des Voralpenlands ging, mussten wir den kleinen Bausatz aber erst montieren. 12 Minuten haben wir gebraucht – kein Hexenwerk also – das benötigte Werkzeug lag bei.
Schon beim Auspacken fiel auf: hier wurde nicht gespart. Hochwertige Bauteile, massive Rohre mit einem anständigen Durchmesser, extrem schlagfest lackiert und alles sehr passgenau.

Das Berg Gokart Jeep Junior im Aufbau
Der Rahmen des Gokarts besteht aus zwei Teilen. Dabei wird die vordere Achse an den restlichen Rahmenträger gesteckt und doppelt verschraubt. Der Sitz wird mit einem Zapfen in eine der drei Ösen am Hauptrohr gesteckt, mit denen man das Gokart auch an die Beinlänge des Kindes anpasst. Der Zapfen wird unterhalb des Hauptrohrs mit einer simplen Klemme befestigt. Das erschien uns zunächst ein wenig spartanisch, scheint aber vollkommen auszureichen und hat den Vorteil des sekundenschnellen und werkzeuglosen Umbaus – auch unterwegs.
Anständige Gokarts haben eine qualitativ hochwertige Bereifung, wie wir sie von Mountainbikes kennen. So auch unser kleiner Jeep mit wechselbaren Reifen und angewinkeltem Autoventil am Schlauch. Sowohl den Schlauch, die Reifen als auch das Komplettrad gibts als Ersatzteil – und übrigens auch jedes andere Teil unseres Gokarts. Das ist wichtig zu erwähnen, es ist nämlich keineswegs selbstverständlich, dass man für das Spielzeug seiner Kinder alle Einzelteile problemlos in einem Onlineshop nachkaufen kann.

Die grobstollige Bereifung funktioniert sowohl auf Asphalt als auch auf losem Untergrund und im Matsch tadellos und ist zudem selbstreinigend. Die Geräuschentwicklung ist sehr gering und das schont Nerven – vor allem die der Eltern. Durch das relativ hohe Eigengewicht des Gokarts mit 18kg muss Junior schon ganz ordentlich in die Pedale treten um die Fuhre in Schwung zu bringen, dann aber läuft der Jeep tadellos, ist dank Pendelachse sehr spurtreu bei Bergabfahrten und ganz offensichtlich auch problemlos zu handlen. Testfahrer Kimi jedenfalls hantierte mit dem Gokart schon nach 10 Minuten, als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte.
Wo wird denn hier gebremst?
Wer sich noch nicht mit den Gokarts von Berg auseinandergesetzt hat, kommt zwangsläufig irgendwann auf die Frage nach der Bremse. Der gewohnte Stahlbremshebel vor einem der beiden Hinterräder fehlt nämlich. Die Lösung findet sich – gar nicht, sie ist im gekapselten Antriebsstrang unterhalb der Sitzschale verborgen. An unserem Jeep verbaut Berg die BFR-Nabe mit Rücktrittsbremse. Sobald das Gokart zum Stillstand gekommen ist, lässt sich damit auch rückwärts fahren. Gerade für noch kleine Abenteurer erscheint uns dieses Bremssystem ideal und ist darüber hinaus auch noch intuitiv bedienbar. Kimi hat die Funktion der Bremse vollkommen selbständig und ohne Erklärung erlernt und spielend umgesetzt.
Angetrieben wird unser Gokart ganz simpel über ein traditionelles Pedalsystem an einem kleinen Kettenblatt mit Stahlkette. All das ist sauber in einem schmalen Kunststoffkasten verbaut und weitestgehend wartungsfrei. Wer einmal im Jahr ein paar Tropfen Schmiermittel spendieren möchte, kann den Kasten öffnen.
Bei anderen Modellen aus dem Berg’schen Gokart-Sortiment kommen übrigens auch Freilaufnaben und 3-Gang-Schaltungen zum Einsatz.

Der Anhänger
Unser kleiner Geländewagen mit Pedalantrieb kam mit einem Anhänger und der nachrüstbaren Anhängerkupplung. Letztere wird in das Ende des Hauptrohrs hinter der Sitzschale eingeschoben und dann seitlich mit zwei Schrauben gekontert. Laut Aufdruck sind nicht mehr als 5kg Beladung zulässig. Damit ist ein Transport der Buddies von Testfahrer Kimi also ausgeschlossen. Für ein paar Holzscheite, eine Wagenladung Kastanien und allerlei anderen Klimbim reicht es aber.
Außerdem hat Junior ja bereits bei Papa gelernt, es geht nicht darum immer etwas zu transportieren, sondern darauf jederzeit vorbereitet zu sein! Übrigens auch eines der Hauptverkaufsargumente für SUVs mit Allradantrieb bei den meisten Kunden.
Fazit
Mit dem Berg Jeep Junior Pedal-Gokart warfen wir eine Menge Kindheitserinnerungen über Bord, ausnahmslos die negativ besetzten. High-End Gokarts wie das hier getestete sind erheblich sicherer als noch in den Siebzigern (was mich als Autor betrifft), fahren viel leichtgängiger und sind weitaus besser verarbeitet. Dem gegenüber stehen 299 Euro für den Jeep und 79 Euro für den Anhänger. Viel Geld für ein Kinderspielzeug. Angesichts der kleinen Marken-Mountainbikes in der gleichen Preisrange relativiert sich der Preisschock aber wieder, denn so gesehen bekommt man viel mehr Gegenwert für sein Geld und die Geländegängigkeit reicht für den Bedarf der Kinder mehr als aus.
Es gibt keine Teile am Jeep Junior die eine Gefahr von Quetschungen hervorrufen könnten und mit der Nabenbremse entfällt auch das sonst etwas primitive Bremsen mit einer Stahlstange am Hinterrad. Der Rahmen ist extrem robust, mit großem Rohrdurchmesser und verträgt ebenso wie die Aufhängung und die Räder rabiaten Umgang.
Die zahlreichen Ergänzungsmöglichkeiten mit anderen Anhängern, Beleuchtung, Hupe und dergleichen mehr lassen weiteren Spielraum für die nächsten Geburtstage. Das hier gezeigte Modell eignet sich für 3-8jährige Kinder. Es gibt zahlreiche weitere Modelle mit unterschiedlichen Dekoren, aber auch ganz anderer Ausrichtung als Straßenflitzer, Rennwagen oder Chopper. Wer sich nun als Erwachsener nicht mehr zurückhalten kann und mit dem Nachwuchs zusammen fahren möchte, auch das geht…






