Gravelbikes, Endurancebikes und auch Cyclocross-Räder liegen voll im Trend. Prime Elements erklärt die Unterschiede, zeigt Beispiele dieser Bikeklassen und was man damit machen kann.
Die neue Klasse der Endurance-Bikes mit hohen Komfortwerten liegt diesen Sommer voll im Trend und verdrängt vor allem bei den „etwas älteren Fahrern“ (35+) fast schon die klassischen Sektionen. Zusätzlich sorgt eine starke Nachfrage nach Gravelbikes und crossfähigen Rennrädern (Crossbikes, Cyclocrosser) für gute Verkaufszahlen im Fachhandel und bei den Versendern.
Es gibt viele Gründe, warum sich Einsteiger und Fortgeschrittene immer mehr für diese alternativen Bikeklassen und nicht mehr für die klassische Rennmaschine entscheiden. Schlechte Straßen mögen ein Grund sein, vielmehr ist es aber die große Variabilität der Räder. Wir erklären die Unterschiede und zeigen auf den Folgeseiten Beispiele aktueller Räder aus den Segmenten.
Endurancebikes
Die als Endurance-Klasse bezeichneten Rennräder sind primär für die Fahrer der nach wie vor boomenden Jedermann-Rennen gedacht. Dazu gehören vor allem Liebhaber von Langstreckenrennen im bergigen Terrain wie z.B. der Maratona dles Dolomites oder auch die Tour Transalp, in jedem Fall aber sind befestigte Wege das Terrain des Endurance-Bikes. Endurancebikes eignen sich auch hervorragend für das tägliche Training.
Der Rennradtyp zeichnet sich durch eine etwas komfortablere und für den Fahrer aufrechtere Geometrie, weniger Aerodynamik-Kompromisse, besserer Kompatibiltät für etwas breitere Reifen und inzwischen auch nicht selten durch Scheibenbremsen aus. Ziel soll sein, dem Fahrer ein möglichst schönes und vor allem schmerzfreies Fahrerlebnis auch auf sehr langen Strecken zu garantieren, bei dem die Sprint-Spitzengeschwindigkeit nicht vordergründig ist. Die deutlich tiefere und gestrecktere Haltung auf Performancebikes ist gerade bei Fahrern mit Nacken- und Rückenproblemen ein Problem und wird durch eine aufrechtere Haltung entschärft. Wer also eh meist mit den Händern am Oberlenker anstatt am Unterlenker fährt, passt gut zu dieser Rennradgattung.

Das hier gezeigte Canyon-Endurancebike CF9.0 DI2 bietet für 2.699 Euro / Damenmodell 2.499 Euro (Stand: Juli 2016) einen Kohlefaserrahmen, Alu-Laufräder der Mittelklasse von DT Swiss und das elektronische Schaltsystem Shimano DI2 in der Mittelklasse-Serie Ultegra. Canyon mischt die Gruppe nicht mit anderen Komponenten ohne Gruppenzugehörigkeit. In dieser Bikeklasse ist diese Ausstattung ein extrem gutes Angebot. Wer möchte, kann den Rahmen auch mit Scheibenbremsen bekommen.
Im Spätsommer/Herbst beginnen wir mit dem Aufbau eines leichten Endurancebikes und werden euch im Rahmen eines Workshops daran teilhaben lassen.
Gravelbikes
Das Gravelbike geht noch einen Schritt weiter in Richtung Crossbike, bietet noch bessere Komfortwerte als das Endurancebike und eine gemäßigte Rahmengeometrie. Der Rahmen bietet durch oft sehr unterschiedliche Rahmenbautechniken eine verbesserte Schockabsorption auf schlechteren Untergründen und gestattet die Nutzung von recht breiten Rennreifen. Der Einsatz eines bspw. 23-27mm breiten Rennreifens bietet bei geringerem Luftdruck seinerseits schon ein deutliches Komfortplus und sehr guten Grip. Entgegen der Annahme, dass breitere Reifen eine erheblich höhere Reibung (Rollwiderstand) verursachen und dadurch eher bremsend wirken, sind solche Reifentypen in Sachen Geschwindigkeit kaum ihren schmalen Kollegen unterlegen. Bei korrektem Luftdruck weisen sie sogar einen besseren Rollwiderstand auf und bieten dabei auch bessere Kurven- und Bremseigenschaften. Die früher so beliebten „Dackelschneider“ mit Breiten von 18-20mm sind meist unkomfortabel, benötigen hohe Drücke und sind deutlich pannenanfälliger. Für Kriterien und Sprintrennen bleiben sie aber das Maß der Dinge.
Gravelbikes haben in der Regel Scheibenbremsen und bieten somit auch ein klares Plus in Sachen Sicherheit. Auch wenn das gerne von einigen Verfechtern der klassischen Felgenbremse bestritten wird, überwiegen die Vorteile der Scheibenbremse vor allem auch in Grenzsituationen bei Nässe. Man bezahlt diesen Vorteil mit etwas mehr Gewicht und der Notwendigkeit passender Rahmen und Laufräder.
Einige Hersteller statten ihre Gravelbikes auch mit Aufnahmepunkten für Gepäckträger und Schutzbleche aus und machen sie damit alltagstauglich.

Cannondales Grätsche zwischen Roadbike und Crossbike trägt den Namen Slate und geht, wie so oft bei Cannondale, eigene Wege. Auffälligstes Mermal des Slate ist natürlich die einseitige Federgabel Lefty. Was optisch gewöhnungsbedürftig erscheint, ist bei Cannondale ein langjähriger und sehr zuverlässiger Dauerbrenner und vererbte sich von den Mountainbikes. Die dünnen Sitzstreben mit einer leicht konkaven Wölbung erlauben gemeinsam mit der Abflachung der Kettenstreben vertikalen Flex und erhöhen so auch am Heck die Komfortwerte. Für 3.499 Euro (Straßenpreis niedriger) gibts einen sehr hochwertigen 6069er Alurahmen, eine Shimano Ultegra Gruppe mit hauseigener Kurbel, hydraulische Scheibenbremsen (Shimano BR-R785) und die besagte Lefty Oliver Federgabel mit 30mm Federweg.
Crossbikes
Cyclossräder sind keine neue Erscheinung am Rennradmarkt, es gibt sie schon Jahrzehnte. In den letzten Jahren wuchs der Markt der Cyclocrossbikes, flankiert durch den Gravelbike-Trend, ein wenig. Crossbikes sind auf das Gelände zugeschnittene Rennräder ohne Federung und oft mit zwei weiteren Bremsgriffen am Oberlenker. Diese können aber auch jederzeit nachgerüstet werden und sind nicht unbedingt Serie.
Crossbikes gestatten breite Reifen, dann mit Profil wie bei den Mountainbikern und in Sachen breite meist oberhalb der 30mm-Grenze. Obwohl Crossbikes im Gelände gefahren werden, sind sie nicht kompromisslos auf Komfort konstruiert. Crossrennen sind sehr schnell und fordernd, hierbei spielt die Traktion eine große Rolle und größere Abschnitte nehmen die Fahrer von Cyclocros-Rennen auch über dem Sattel.

Das CruX von Specialized ist eine Neuentwicklung und doch sofort am leicht konvex geformten Oberrohr als Speci zu erkennen. Die früher etwas verächtlich als Wäscheleinenhalterung genannte Formgebung stammt noch aus der Zeit mit außen verlegten Zügen. Das CruX kommt ganz modern mit einem 40er Single-Kettenblatt vorne und einer fein abgestimmten 11fach-Kassette aus der Force-Serie von SRAM, wie auch der Rest der Schalt- und Bremsgarnitur. Den Rest spect Specialized mit Komponenten aus dem eigenen Regal. Die Reifen bieten satte 33mm mit geländetauglichem Profil. Das Komplettrad gibts für 3.699 Euro UVP (Straßenpreis darunter). Eine Besonderheit sind die Thru-Axle Steckachsen an beiden Rädern, die gegenüber Schnellspannern deutlich besser gegen Verwindung gewappnet sind. Im Hinblick auf die doch recht filigranen Rahmen bei Rennrädern und dem Einsatz von Scheibenbremsen, ist das ein tolles Feature.
