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„Thanks Jack O’Neill!“ oder wie kaltes Wasser seinen Schrecken verlor

Am vergangenen Freitag starb Jack O’Neill – der Mann, der den Wetsuit erfand und die Marke O’Neill begründete. Es heißt, dass Jack mit 94 Jahren in seinem Haus in Santa Cruz mit Blick über den Ozean friedlich einschlief. Zeit auf seine größte Erfindung zurückzublicken.

Zeitreise zurück in die 50er

In den frühen 50er Jahren ereignen sich ungewöhnliche Szene an den Stränden Kaliforniens: braungebrannte, muskulöse Männer stehen fröstelnd am Lagerfeuer, während ihnen Salzwasser aus den nassen Haaren auf die Schultern tropft. Neben ihnen im Sand liegen Surfbretter und dicke Wollpullover, durchtränkt mit Öl.

Durchtränkt mit Öl? Richtig, denn der Pazifik vor der kalifornischen Küste ist kalt und die in Öl getränkte Wolle hält den Oberkörper warm – zumindest für eine kurze Zeit. „Damals war das Surfen großartig, du kanntest jeden im Lineup und hattest nichts als Spaß. Aber wir konnten immer nur eine kurze Zeit im Wasser bleiben, es war einfach zu kalt“, erzählt Jack O’Neill, der heute als der Erfinder des Neoprenanzugs gilt.

Eine Weste mit PVC-Isolierung - der Prototyp von Jacks erstem Wetsuit.
Eine Weste mit PVC-Isolierung – der Prototyp von Jacks erstem Wetsuit.

Jack hatte etwas gegen Ölgeruch

Alles beginnt, als sich Jack 1952 in San Francisco niederlässt. Er verdient sein Geld als Vertriebskaufmann und paddelt jede Mittagspause mit Badekappe und dicken Stoffhosen in den Lineup, um sich zu den anderen nach Öl stinkenden Wellenreitern in ihren Wollpullis zu setzen. Irgendwann ist es soweit. Jack hat genug, er kann den Ölgeruch nicht mehr ertragen und will während der Setpausen nicht mehr wie Espenlaub zittern. Da hört Jack von einem neuartigen Plastikschaum: dem Kunststoff Polyvinylchlorid, der sich zu PVC-Böden, Plastikrohren oder Kabelummantelungen verarbeiten lässt. Fasziniert von dem neuen Wundermaterial spritzt er es in dünnen Schichten zwischen zwei Folien und näht das Ganze in seine Hosen ein. Die Isolierung funktioniert und der Mann mit der Augenklappe ist fortan immer der letzte Surfer im Wasser.

Aber damit gibt sich Jack nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil scheint der Erfolg seinen Erfindergeist erst richtig anzufachen. Überall sucht er nach neuen Mitteln und Materialien, um der Kälte noch besser zu trotzen. So auch während eines kurzen Fluges, als sein Blick im Mittelgang zwischen den Sitzreihen hängenbleibt. Der Boden ist mit einem weichen, anschmiegsamen Material ausgelegt: Neopren. Kaum gelandet, bestellt sich Jack eine Ladung des gerade erst entwickelten Stoffs.

Jacks erster Surfshop.
Jacks erster Surfshop.

Der erste Wetsuit, der in einem Schaufenster hing

Wenige Monate später, als er seinen ersten Surfshop in San Francisco eröffnet, sind im Schaufenster neben Surfboards auch komische, schwarze Langarm-Westen zu sehen. Vor dem großen Tag saß Jack nächtelang zwischen Haufen aus Neoprenlappen, schnitt sorgfältig viele hundert Einzelteile aus und klebte sie zu Westen oder Jacken zusammen. Das neue Material schmiegt sich wie eine zweite Haut an den Körper, hält warm und ist geruchsneutral. Die Zeiten stinkender Wolle und klammer Glieder sind vorbei.

Es dauert nicht lange und Jack entwirft Ganzkörperanzüge aus Neopren. Außerdem rührt er die Werbetrommel für seine Erfindung und setzt auf Bootsmessen seine Kinder stundenlang in Wassertanks voller Eiswürfel. Jack hat Erfolg und Glück. Mitte der 50er Jahre beginnt der Surfboom. Zählte man zu Beginn des Jahrzehnts nur wenige hundert Surfer an der Westküste der USA, sind es 1954 schon über 8000 und Jack stattet sie mit Neoprenzügen aus.

Jack beim Selbsttest in einem seiner Anzüge.
Jack beim Selbsttest in einem seiner Anzüge.

Seinen Erfindergeist vererbte er übrigens an seinen Sohn Pat, der in den 70er Jahren die erste Leash erfand. Doch das ist eine andere Geschichte.

Wer jetzt noch wissen will, wie Jack O’Neill sein linkes Auge verlor, der erfährt das auf der nächsten Seite.

Tags : Jack O'Neill

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