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Surfen auf Mallorca

Im Sommer ist Mallorca vor allem für Ballermann, Bierkönig und überfüllte Badestrände bekannt. Doch im Winter erwacht das Surfpotential der Insel. Wir  verraten euch, ob ein Surftrip nach Mallorca Sinn macht und wo ihr magische Wellen findet.

Aufmacher-Bild: Emilio Lopez

Ritte von 45 Sekunden sind möglich

Mallorca klingt nach Jürgen Drews, nach Sangria in Eimern und nach Bierkönig, doch vor allem klingt Mallorca heiß. Doch lasst euch davon nicht täuschen, so hoch die Temperaturen im Sommer steigen, so tief können sie im Winter auch fallen. „Manchmal surfen wir mit Haube und Handschuhen“, bestätigt auch Berni Ginard, der zweifellos als mallorquinisches Urgestein bezeichnet werden kann. Ist der 33-Jährige doch nicht nur selbst auf der Insel geboren, sondern auch die letzten sieben Generationen seiner Familie. Klar dass Berni das Mittelmeer kennt und auch dessen spezielle Tücken, die einem Surfer den Spaß verderben können. „Die Swells kommen und gehen extrem schnell. Es kann am Morgen vollkommen flat sein, mittags rollen dann ein Meter hohe Wellen heran, und am Nachmittag lässt der Swell schon wieder nach.“ Wenn du aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, können Mallorcas Wellen wahrlich magisch sein. „Da gibt es vor allem zwei Spots, die herausstechen. Leider laufen die aber nur fünf bis zehn Tage pro Jahr. Für einen muss ein Sturm toben und Wellen von vier Metern an die Nordküste schicken. Erst dann erwacht ein Riff in der Nähe von Alcudia, das vor dem starken Wind geschützt ist und einem linken Pointbreak mit kopfhohen Wellen gleicht. Die Ritte sind so lang, dass du Zeit für acht bis zehn Turns hast.“ Das entspricht einem Ritt von etwa 45 Sekunden, doch die längste Welle von Mallorca ist eine andere. „Ja, da bin auf meinem Longboard schon über eine Minute auf einer Welle gestanden“, erzählt Berni. „Das ist der andere herausragende Pointbreak, allerdings ein rechter, in der Nähe von Colonia de San Pere.“ Surfen gelernt hat Berni natürlich auch auf Mallorca und zwar auf die harte Tour.

An manchen Tagen kann die Wasserfarbe auf Mallorca locker mit der Karibik mithalten. Berni erzählt immer noch gerne von einer Session vor zehn Jahren in Cala Agulla. „Da war das Wasser so klar, dass man die Wall vor sich kaum erkennen konnte. Man sah quasi nur den Meeresgrund unter sich und kein Wasser.“
An manchen Tagen kann die Wasserfarbe auf Mallorca locker mit der Karibik mithalten. Berni erzählt immer noch gerne von einer Session vor zehn Jahren in Cala Agulla. „Da war das Wasser so klar, dass man die Wall vor sich kaum erkennen konnte. Man sah quasi nur den Meeresgrund unter sich und kein Wasser.“ Foto: Laola Surf School

Der Weg zum Surfer ist lang und hart

„Ich war gerade 16, als mir ein Freund erzählte, dass er surfen war. Damals hatte ich bisher nur Windsurfer auf Mallorca gesehen, aber nie einen Wellenreiter. Das wollte ich selbst probieren, also borgte er mir einen Neopren-Shortie und ein Bodyboard, und schon ging es los. Wohlgemerkt war das im Dezember, und ich konnte nur eine Welle nehmen bevor ich vor Kälte zitterte, aber dieser eine Ritt reichte aus, mich mit dem Surfvirus zu infizieren.“ Als nächstes wurde Bernis Mutter so lange bekniet, bis sie ihrem Sohn ein Surfboard versprach. Keine leichte Aufgabe, wenn es keinen einzigen Surfshop auf der Insel gibt. Doch irgendwie trieb sie ein Board auf. Gut, es war dünn, schmal, spitz und 6’7“ lang. Glich also eher einem Semigun als einem Anfängerboard, aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und Berni bewies einen eisernen Willen. Zuerst entdeckte er die Wellen seiner Heimatinsel, dann verbrachte er Wochen in Nordspanien, Monate in Costa Rica oder Barbados und fast ein halbes Jahr in Australien. „Hart wurde es für mich aber nach meinem Studium, als ich einen Job in der Luftfahrtindustrie antrat“, erzählt Berni. „Denn mein Arbeitsplatz war in Paris. Ich arbeitete zwar immer nur drei Wochen und hatte dann eine Woche frei, um irgendwo Wellen zu jagen. Aber eine Woche Surfen pro Monat war mir einfach zu wenig.“ Bernis Reaktion auf den Wellenmangel fiel dann auch deutlich aus: Mit 30 kündigte er und machte auf den Kanaren eine Ausbildung zum Surflehrer. Nach einem Jahr zog es ihn dann zurück nach Mallorca, wo er seine eigene Surfschule aufmachte, die Laola Surf School in Palma.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie viele gute Surftage es auf Mallorca gibt und wo die konstantesten Wellen brechen.

Tags : MallorcaSurfen

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