close

Speedriding – Pionier Ueli Kestenholz erklärt das 3D-Abenteuer

Lass uns doch wieder über die schöneren Seiten des Sports sprechen. Was stehen für Projekte in Zukunft an? Gibt es First-Descents, die noch auf deiner Flug- oder der Riding-to-Do-Liste stehen?
Ich hab schon so eine kleine Bucket-List. Doch was da alles drauf steht, verrate ich euch noch nicht… Ich bin jedenfalls nicht daran interessiert, Erstbefahrungen lediglich nach der Bekanntheit von Gipfeln zu versuchen. Viel mehr interessiert mich die spontane Ästhetik eines Hangs, der durch das Zusammenspiel von Schnee und Wind jedes Mal anders aussieht. Ich habe beispielsweise diesen Winter an meinem Homespot dank guter Schneeverhältnisse und etwas Kreativität noch zwei komplett neue Lines gefunden, die mir zuvor nie aufgefallen waren.

Wie läuft das im Speedriing eigentlich mit Sponsoring? Die Szene ist ja noch sehr klein, wie du gesagt hast. Ist das beim Auftreiben von Budgets von Vorteil oder von Nachteil?
Sponsoring ist momentan relativ schwierig, da die Wintersportindustrie aus unterschiedlichen Gründen keine einfache Zeit durchmacht. Auch wenn Speedriding nur zu einem Teil an dieser Entwicklung hängt, ist es dennoch nicht gerade einfacher. In meinem Fall ist es etwas unproblematischer, weil ich schon lange als Freeride-Pro und Multisportler aktiv bin und mir so über die letzten 20 Jahre was aufbauen konnte. Es sind in erster Linie die spektakulären Speedride-Aufnahmen, die mir Parts in grossen Filmproduktionen wie „La Nuit de la Glisse“ und „Warren Miller“ beschert haben. Wenn diese Segmente eine Brand zu schätzen weiß, kann ich dieser durch Speedriding eine gute Plattform bieten.

Lass uns doch am Ende noch etwas in die Zukunft blicken. Was glaubt du ist generell im Speedriding noch möglich?
Man denkt oft genug, dass jetzt langsam der Peak einer Sportart erreicht sei. Doch wie auch in anderen Extrem- oder Freesport-Disziplinen entwickelt sich auch das Speeriding stetig weiter und stößt immer wieder neue Türen auf, die bislang verschlossen waren. Zum Beispiel wurden in den letzten Jahren vermehrt Barrel-Rolls (Schirm unten und Füsse oben) nahe am Gelände oder sogar in Couloirs gemacht – früher undenkbar. Dank der neuen Schirme mit mehr Power, viel Erfahrung, der richtigen Technik und „big cojones“ sind nun die ersten dabei, nach dem Speed holen auf der Fläche kurz aufzusetzen und mit der restlichen Energie noch eine Rolle vor der eigentlichen Landung zu fliegen. Das it auf jedenfall äußerst spektakulär, aber eben mit meiner 80% Risiko-Regel nicht ganz vereinbar. Für mich persönlich geht die Entwicklung mit weniger offensichtlichen Schritten vorwärts. Mein Ziel ist es, die perfekte Line möglichst ideal umzusetzen. Also möglichst exakt die Linie so fahren, wie ich sie vorher geplant hatte. Genau am richtigen Ort meine Turns und Sprays setzen und erst wirklich bei den Hindernissen wieder zu fliegen wie beispielsweise bei den letzten Turns der 2.000 Höhenmeter langen Doldenhorn-Befahrung.

Tags : Ueli Kestenholz

Pin It on Pinterest