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Speedriding – Pionier Ueli Kestenholz erklärt das 3D-Abenteuer

Da sprichst du schon die hohen Anforderungen an, die der Sport mit sich bringt. Was sind denn die wichtigsten Aspekte, die du bei einer geplanten Line berücksichtigen musst, um sicher ins Tal zu kommen. Anders als beim Freeriden, könntest du bei einem Lawinenabgang ja einfach nach oben verduften.
Das stimmt. Im Falle eines Schneebretts habe ich mit dem Schirm einen wesentlichen Vorteil. Diesen kann ich aber auch nur nutzen, wenn ich schnell genug reagieren kann und das Gelände steil genug ist, um wirklich davonfliegen zu können. Im Grunde ist es aber genau so wichtig wie beim Freeriden, sich die Linie genau anzuschauen und zu verinnerlichen. Man muss zudem den Schirm und dessen Gleitwinkel perfekt kennen und entsprechend das richtige Gelände wählen. Die modernen Schirme bieten zwar eine grosse Range zwischen Dive und Gleiten, man soll aber in jedem Fall etwas Reserve einplanen – also niemals mit dem letzten Lüftchen knapp über Hindernisse fliegen.

Wie lange benötigst du eigentlich, um ein Face richtig einschätzen zu können und potentielle Gefahrenstellen zu eliminieren?
Durch meine 20-jährige Freeride-Erfahrung kann ich einfachere Hänge recht schnell lesen und so die perfekte Line wählen. Bei grossen, langen und hochalpinen Lines wie der Jungfrau oder dem Matterhorn investiere ich oft mehrere Tage, um auf topographischen Karten, Google Earth, Fotos und aus verschiedenen Perspektiven vor Ort alles zu studieren, eine Line zu definieren sowie „Plan B“ und sogar „Plan C“ herauszuarbeiten. Zudem verbringe ich viel Zeit mit dem Studieren von Wetterprognosen, um den perfekten Tag ohne Wind oder schwachem Wind von vorne zu erwischen. Es ist schon passiert, dass ich aus diesem Grund mehrere Jahre warten musste, bis Schnee und Wind perfekt zusammen passt haben, um einen Gipfel zu realisieren.

Tags : Ueli Kestenholz

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