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Speedriding – Pionier Ueli Kestenholz erklärt das 3D-Abenteuer

Wie bist du überhaupt in Berührung mit diesem noch eher jungen Sport gekommen. Die Szene ist ja noch relativ überschaubar und auch in Videos tauchen die Jungs mit den Schirmen eher selten auf.
Das war ehrlich gesagt eher zufällig. 2006 nahm ich beim Bordercorss in Turin teil, was zugleich meine dritten und auch letzten olympischen Spiele waren. Ich wollte einfach mehr Zeit haben, um bei den besten Bedingungen meine Freeride-Aufnahmen produzieren zu können. Als ich genau zu diesem Zeitpunkt die ersten Clips dieser Sportart gesehen habe, da war’s um mich geschehen. Ich wusste sofort, dass Speedriding mein Ding ist und mir war schon damals klar, dass in diesem Sport ein riesiges Potential stecken würde. Als Freerider und Skydiver hatte ich ja schon das Grundgerüst zum Speedriden. Durch den Umstand, dass ich in meiner ersten Saison praktisch täglich mit Speedriding-Pionier Mathias Roten unterwegs war, habe ich super schnell Fortschritte gemacht und konnte zusammen mit Mathias bereits 2007 unseren Traum verwirklichen und Eiger, Mönch und Jungfrau an einem Tag befahren.

Was würdest du Leuten empfehlen, die Speedriden ausprobieren wollen? Gibt es

In Chamonix gibt es für Speedrider noch keine Reglementierungen. Ueli freut´s.... ©Marc Weiler
In Chamonix gibt es für Speedrider noch keine Reglementierungen. Ueli freut´s…. ©Marc Weiler

auch einen leichteren Einstieg, als schon professioneller Freerider und Skydiver zu sein?
Also für mich war es definitiv von Vorteil, als Freeride-Pro und Skydiver schon in beiden Elementen zuhause zu sein. Es können aber auch Erfahrungen im Gleitschirmfliegen oder im Kitesport helfen. Das wichtigste ist aber meines Erachtens, das Gelände perfekt lesen und dabei sein eigenes Riding einschätzen zu können. In Frankreich gibt es inzwischen diverse Speedriding-Schulen, in denen man als ambitionierter Skifahrer erste Erfahrungen mit den kleinen Schirmen sammeln kann. Zuerst lernt man dort das Fahren mit Schirm, macht dann erste kleine Sprünge, bevor man mit dem Fliegen in kritischer Höhe beginnt.

Dann sollten wir wohl alle schleunigst nach Frankreich und mit einem Schirm die Berge unsicher machen. Was hat sich in den letzten zehn Jahren so getan, in denen du als einer der Pioniere den Sport maßgeblich mitentwickelt hast?
Gerade die Anfangszeit war der absolute Wahnsinn – Freiheit pur. Fast jeden Tag verbuchte ein kleiner Kreis von privilegierten Exoten Erstbefahrungen und machte dementsprechend rasante Fortschritte. Doch schon bald standen spaßbefreite „Regulierer“ auf der Matte, die den Sport und die Gebiete einschränken wollten. Zudem forderte der Verband der Hängegleiter eine Lizenz von Speedridern, ohne dass sie den neuen Sport überhaupt verstanden. In der Schweiz braucht man jetzt deshalb einen Paragliding-Schein mit Speedflying-Erweiterung, um den Sport legal zu betreiben. Frankreich ist da soweit ich weiss etwas lockerer. Da kann jeder gute Skifahrer in einer Speedriding-Schule einen Kurs machen, auch ohne Gleitschirm-Lizenz. Generell gilt, keine Starts und Landungen auf der Piste. Im Gelände sollte aber alles legal sein. Neben den gesetzlichen Beschränkungen hatten wir nach der unbeschwerten Anfangszeit mit Trittbrettfahrern zu tun, die durch den Hype des Speedridings auf den Zug aufsprangen – wie bei allen Extrem- oder Funsport-Disziplinen eben auch. Viele davon haben sich inzwischen aber auch wieder vom Sport zurückgezogen. Die eigentliche Speedriding-Szene, die den Sport als 3-D Freeriding betreibt, ist aber immer noch relativ überschaubar aber fährt teilweise auf einem unglaublich hohem Niveau. Der Anteil der Piloten, die eher Speedflying betreiben – also das Fliegen nahe am Boden ohne die Skier zum Fahren zu benutzen – ist definitiv grösser. Nicht zuletzt auch aus dem einfachen Grund, weil es mehr geeignetes Gelände ohne Schnee gibt. Aber auch, weil Bigmountain Speedriding deutlich mehr Praxis und Erfahrung erfordert.

Tags : Ueli Kestenholz

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