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Im Tief­flug über Berghänge

Freeski-Profi Ian McIntosh lebt am Limit, keine Frage. Ob er mit seinen Freeride-Latten Lines in Alaska massakriert, mit seinem Bike die legendären Whistler Trails ab­­klap­pert oder sich seinen Wingsuit umschnallt und von einer Klippe stürzt, alles sind Sportarten, die sich mit einer soliden Lebens­versicherung nur schwierig vereinbaren lassen. Und ganz unmöglich wird diese wahr­scheinlich, wenn man den Versicherungs­vertreter darüber informiert, dass der Kanadier neuerdings auch Proximity-Flüge in sein Repertoire aufgenommen hat, also im Tief­flug über Berghänge bläst.

Hi Ian! Als Erstes: Wie bist du zum Base-jumpen gekommen?
Ab dem Zeitpunkt, in dem ich den ersten Skydiver im Fernsehen ge­sehen hatte, wollte ich fliegen. Da war ich noch wirklich klein. Irgendwann kam Shane McConkey, der den Spaß an diesem Sport vermitteln konnte. Mich hat es je­­­denfalls gepackt und ich wollte unbedingt Base-jumper werden.

Ist ja nicht gerade der günstigste Sport, oder? Schon allein die ganze Freifall-Ausbildung kostet doch irrsinnig viel Geld!
Oh ja! Aber wenn du etwas wirklich willst, spielt Geld eigentlich keine Rolle mehr, oder?!

Ian McIntosh-WingsuitWas ist das Besondere daran, mit deinen „Wings“ zu fliegen?
Glaubt mir, es gibt kein vergleichbares Gefühl! Schau dir doch ein­fach einen Vogel an und versu­che, dir vorzustellen, du wärst an seiner Stelle. Mit einem Wingsuit zu fliegen ist das Näheste, was wir den Vögeln kommen können. Es ist Wahnsinn, wenn die Baumwipfel oder Felsen unter dir durchflitzen. Du fühlst dich einfach extrem lebendig in diesem Augenblick!

War das bei deinem ersten Proximity-Flug auch so oder hast du dir da in die Hose geköttelt?
[lacht] Nein, hab ich nicht. Ich bin vorher schon öfter ziemlich nahe an Objekten vorbeigeflogen und es war eine stetige Entwicklung meiner Skills, die mir schließlich Proximity-Flüge ermöglicht hat.

Wie verhält sich das mit dem Ri­si­ko? Bei diesem Sport darf ja wirklich nichts schief gehen.
Es ist eigentlich wie beim Freeriden, denn auch hier ist ein ge­wis­senhaftes Risikomanage­ment deine Lebensversicherung. So­lan­ge man die richtigen Entscheidungen trifft und ein gewisses Rest­risiko einkalkuliert, läuft alles glatt.

Ian McIntosh-WingsuitGibt es noch weitere Parallelen zwischen beiden Sportarten?
Natürlich gibt es die. Die Angst und die Anspannung vor den geplanten Lines sind nahezu identisch. Und natürlich auch das Glücks­gefühl, wenn du heil unten angekommen bist.

Hast du bis jetzt auch mit den Cops Glück gehabt?
Bisher habe ich mich nur an le­ga­len Spots herumgetrieben, da kann mir keiner ans Bein pinkeln.

Wenn wir schon dabei sind: Was waren denn die schönsten Spots in deiner Karriere?
Ganz klar Norwegen und Italien. An den riesigen Cliffs über den Fjorden zu springen ist einfach ge­nial. Das letzte Mal war ich dort mit Alexander Polli unterwegs. Italien hat aber auch extrem krasse Spots wie zum Beispiel den Monte Brento. Und der Wein ist besser – und günstiger.

In Italien ist ja Shane tödlich ver­unglückt. Wie gehst du damit um, dass immer wieder Freunde oder Bekannte bei diesem Sport ums Leben kommen?
Ich habe schon viele Freunde ver­loren, beim Skifahren wie beim Base-jumpen. Das macht dir im­mer wieder klar, dass der Preis für Fehler dein Leben ist. Das hin­terlässt natürlich Spuren und sorgt für den nötigen Respekt oder sogar Angst. Aber genau die­se Gefühle sorgen auch dafür, dass du fokussiert bist und das Risiko minimierst, um am Leben zu bleiben. Wir sollten uns aber auch nicht vor dem Tod fürchten. Das heißt jetzt nicht, dass alles immer bis zum Äußersten ausgereizt wer­den müsste, vielmehr dass wir im Jetzt leben und nicht alles auf eine unbestimmte Zukunft aus­legen sollten. Let your dreams be bigger than your fears and your actions louder than your words!

Tags : BasejumpIan McIntoshWingsuite

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