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Mercedes GLT Pickup – der Premium-Lastesel

Foto-Rendering von Ascariss Design

Jenseits des Pickup-Heimatmarkts USA bereiteten die Stuttgarter den Launch des Mercedes GLT Pickup für 2017 vor. Dabei haben sie offensichtlich weniger Handwerker und Bauern, als vielmehr private Liebhaber von schicken und komfortorientierten 4×4 Schrankwänden im Auge. Ein Konzept, dass durchaus aufgehen kann, wie der VW Amarok beweist…

In den vergangenen Monaten wurde viel über diese neue Fahrzeug-Gattung bei Mercedes spekuliert, sogar ein X im Modellnamen war angeblich im Gespräch. Dass der Benz-Pickup aber nun wohl GLT heißen und somit absolut passend der G-Serie zugeordnet wird, ist nachvollziehbar. In welche Richtung das Pendel eher ausschlägt, ob G-Klasse oder eher die komfortorientierte GLE-Serie (früher M-Klasse), ist abzuwarten. Angesichts der geringen Faktenlage dürfte der GLT aber eher als stylischer Premium-Lastesel durchgehen und dass Stuttgarter Sortiment um einen weiteren Lifestyle-Boliden für Outdoor-Fans ergänzen.

Allein die offene Ladefläche macht den GLT zu einem Unikat im Mercedes-Portfolio, einen GLE gibt es weder mit Pritsche, schon gar nicht mit klassischem Leiterrahmen oder separat montierter Fahrerkabine. Auch in Sachen Federung macht der GLT vermutlich alles anders: klassische und für den Wagentyp optimale Blattfedern setzen sich sowohl vom G mit seinen Schraubenfedern als auch dem GLE mit optionalem Luftfederfahrwerk ab. Spekulation? Eher nicht, denn der Mercedes GLT basiert auf dem Navara von Partner Nissan.

Während die ersten Photoshop-Entwürfe einiger ambitionierter Designer noch deutlich an den rundgelutschten GLE erinnerten, zeigen die gerenderten Impressionen der Fanbase eine andere, deutlich wuchtigere Linie mit Double-Cab für 5 Personen und verkürzter Ladefläche mit einer Zuladung von einer Tonne Last. Dies ist sicher den Erlkönig-Fotos aus Australien geschuldet und so könnte der Entwurf von Ascariss-Design im Kopf dieses Artikels ganz gut hinkommen. Die Anhängelast dürfte bei 3.5 Tonnen liegen. Was für den Privatgebrauch in den meisten Fällen ausreicht, dürfte dem gewerblichen Anwender in Sachen Zuladung und Pritschenlänge zum Verhängnis werden.

Ansonsten bringt der Mercedes GLT aber die Grundvoraussetzungen eines echten Premium-Pickups mit. Seine Verwandtschaft zum Erfolgsmodell Nissan Navara (NP300) ist dabei offensichtlich und keineswegs zufällig. Schon seit einigen Jahren kooperieren Mercedes und Nissan miteinander. Jetzt soll aber ein eigenständiges Modell das Segment erobern. Dachte sich übrigens auch der zweite Partner von Nissan, Renault, und hat ebenfalls einen Pickup auf Basis des Japaners in Arbeit.

Reine Spekulation sind Ausstattungsdetails und die Diskussion um den Antrieb. Mercedes hat beim GLE sowohl einen Vierzylinder (250 D | 2.143 cm³ | 204PS)  als auch Sechszylinder (350 D | 2.987 cm³ | 258 PS) für den Betrieb am 4Matic-Allradgetriebe im Regal. Beide natürlich mit Euro-6-Norm, die seit letztem Herbst verpflichtend für Neuzulassungen ist. Beide Antriebe kommen auch für den GLT in Frage. Auch das 7G-Tronic-Plus-Getriebe erscheint uns als wahrscheinlichere Wahl als die 9G-Getriebe der eher als Reise- und Cruisingboliden ausgelegten GLE-Serie.

Ein weiteres Rendering des GLT - hier von Carbuzz.
Ein weiteres Rendering des GLT – hier von Carbuzz.

Erwischt – der Mercedes GLT in freier Wildbahn

Das australische Automagazin Wheels hat im Mai 2016 einen Mercedes Benz GLT Prototypen mit aufwändiger Krisselfolierung vor die Kamera bekommen. Die starke Tarnung legt nahe, das es sichbei diesem Erlkönig um ein noch frühes Entwicklungsstadium handelt und einige Details wie z.B. die Sharkfin-Antenne oder auch die sehr auffälligen Rails auf dem Dach in anderer Ausrpägung am finalen Modell erscheinen. Trotz der guten Tarnung lässt sich mit dem Wissen um das Aussehen des Basisfahrzeugs und der aktuellen GLE-Serie ganz gut vorstellen, wie das Endergebnis ausschauen wird. Weit ausgestellte Radkästen, vor allem hinten, recht weit in den Kotflügel hineingezogene Scheinwerfer und Trittleisten. Ob die beiden inneren Dachrails in der Serie verbleiben, ist ebenso fraglich wie die noch sehr provisorische Heckbeleuchtung.

Vorerst kein Start im Mutterland der Pickups

Nirgendwo sonst werden derart viele Pickups im Jahr verkauft, wie in den USA. Ein großes Land braucht große Autos, sagt man. „Groß“ ist dabei übrigens anders zu definieren als in unseren Breitengraden, denn während hier ein Dodge RAM oder Chevrolet Silverado als geradezu monströs gelten, ist das in den USA fast Normalzustand. Alleine von der marktführenden Ford F-Serie  werden in Nordamerika jeden Tag mehr als 2.000 Neufahrzeuge zugelassen. Schon der kleinste seiner Art, der F-150 ist mit 5,31m, kleiner Cab und Pritsche der kleinste F und bereits größer als ein Amarok. Bucht man die Super Cab-Variante mit 2,48m Ladefläche und 6,36m Gesamtlänge, kommen selbst vor dem Baumarkt nur noch Parkbuchten für LKW’s in Frage.
Größe bedeutet übrigens nicht unbedingt teuer. Viel Pickup für wenig Geld ist die Devise, dabei muss nicht jede Ledernaht perfekt sitzen und wie hochwertig die Kunststofflandschaft im Cockpit verarbeitet ist, interessiert den amerikanischen Käufer auch weniger als uns detailverliebte Autofreaks in Deutschland.

Neben Ford sind es General Motors mit GMC und Hummer sowie Fiat Chrysler mit Chevrolet, Dodge, Jeep und die inzwischen zur Eigenmarke gewordene Ram-Produktfamilie, die mit etwa 80% Anteil den US-Markt beherrschen. Der Rest verteilt sich auf ausländische Marken wie z.B. Nissan, Toyota oder Mitsubishi. Da bleibt nicht viel Luft zum Atmen für einen Mercedes GLT.

Mercedes wird mit dem GLT also zumindest zum Start in 2017 keine Fahrzeuge in den USA anbieten und taktiert damit ebenso wie Volkswagen mit dem Amarok. Europa, Südamerika, Australien und Südafrika werden aller Voraussicht nach zunächst zum Zielmarkt. Wahrscheinlich erscheint dabei übrigens auch, dass es den GLT wie auch den Amarok in abgespeckten und günstigeren „Arbeitsversionen“ geben wird, der ihn für gewerbliche Zwecke interessanter macht. In diesem Fall dürfte auch ein King Cab-Version interessant werden, die der Pritschenlänge zugute käme. Gerade in Südamerika, Afrika und Australien könnte eine solche Variante durchaus Abnehmer finden.

Die europäischen Mitbewerber des Mercedes GLT

In Europa hingegen konkurriert der Mercedes GLT vor allem mit dem neu aufgelegten Toyota Hilux und dessen Segmentanteil von über 23% und mehr als 34.000 Kunden im letzten Jahr. Seine großzügige Pritsche und Variabilität in Kombination mit der Geländegängigkeit und Zuverlässigkeit machten den Hilux erst vor einigen Tagen zum Pickup des Jahres 2016. Gewählt von den Lesern des Fachmagazins Off-Road.

Nicht zu vergessen sind der neue Ford Ranger, der ebenfalls in einer neuen Auflage mit stärkerer Motorisierung (3.0l Turbodiesel) erscheinende VW Amarok sowie der Mitsubishi L200 mit seinem Schwestermodell Fiat Fullback auf gleicher Plattform.

Weitere Informationen über den GLT Pickup gibt es in Updates dieses Artikels.

 

Auf der folgenden Seite findest Du einige Informationen und Fotos des Nissan Navara NP300, der Basis des Mercedes GLT.

Tags : AutoMercedes Benz GLTNissan NavaraPickup

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