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Klettersteige – Deine Ausrüstung am Berg

Inzwischen sind Skier und Snowboards wieder sicher im Keller eingemottet und dürfen nach einem zugegebenermaßen etwas durchwachsenen Winter in den nicht ganz verdienten Sommerschlaf und die Klettersteige warten ungeduldig auf die vertikalen Wanderer.

Helm, Gurt, Fallbremse und das wichtigste in einem leichten Rucksack verpackt. Mehr braucht es nicht für einen Ausflug zu den Klettersteigen
Helm, Gurt, Fallbremse und das wichtigste in einem leichten Rucksack verpackt. Mehr braucht es nicht für einen Ausflug zu den Klettersteigen

Nachdem wir in den deutschsprachigen Alpen eher spärlich mit dem ersehnten Weiß verwöhnt wurden, können sich aber alle Klettersteig-Fans über einen frühen Saisonstart freuen, denn die meisten Touren waren schon im April wieder komplett schneefrei und somit zugänglich. Für alle Neueinsteiger haben wir hier zusammengefasst, was ihr bei eurem ersten Klettersteig-Trip nicht vergessen dürft. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Schwierigkeitsgrad ihr bevorzugt, denn die folgenden Essentials gelten für den Pro wie für den Einsteiger. Letzter sollte sich bei den ersten Schritten an einfachere Touren halten.

Klettergurt

Zusammen mit der Fangstoßbremse, die wir im nächsten Punkt angehen werden, ist der Klettergurt das wichtigste Teil eurer Sicherheitsausrüstung, wenn ihr im alpinen Gelände unterwegs seid. Früher bestand dieser noch aus einem kombinierten Hüft- und Brustgurt. Studien haben aber ergeben, dass beim Sturz der größte Teil der Fallenergie vom stabileren Becken aufgenommen wird und somit allein der Hüftgurt ausreichend Schutz bietet. Kinder sollten aber weiterhin in Komplettgurten gesichert werden, da sie auf Grund des höheren Körperschwerpunktes kopfüber-hängend aus dem Gurt rutschen könnten.

Reduziert auf das wesentliche genügt der Salewa Via Ferrata Evo dennoch allen Anforderung beim Begehen eines Klettersteiges
Reduziert auf das wesentliche genügt der Salewa Via Ferrata Evo dennoch allen Anforderung beim Begehen eines Klettersteiges

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, welche Art von Hüftgurten für Klettersteige zu empfehlen sind, da es auf dem Markt ein Vielzahl unterschiedlicher Modelle gibt, die alle ihre Vor- und Nachteile beinhalten. Im Grunde unterscheidet der Handel in drei Kategorien: Gurte für Klettersteige/alpine Hochtouren, Sportklettergurte und Allroundgurte.

Wir wollen uns in diesem Post auf die Klettergurte für Klettersteige beschränken. Diese kommen kommen aus zwei Gründen ohne eine Polsterung daher. Durch die geringere Materialdicke an den Beinschlaufen wird ein unangenehmes Aufscheuern zwischen den Schenkeln verhindert – nicht dass euch der Wolf beißt. Im Gegensatz zu der eher vertikalen Wegstrecke legt man bei Klettersteigen und Hochtouren auch einige Meter an horizontaler Distanz zurück, was die Gefahr von wunden Stellen erheblich steigert. Im Übrigen sind die Gurte für Klettersteige einen Tick günstiger. Wie bei allen Gurten gilt auch hier, dass die optimale Passform – bzw ein ausreichender Bereich der Verstellmöglichkeiten – für die notwendige Sicherheit bei einem Sturz sorgt. Aus diesem Grund werden die Klettergurte in unterschiedlichen Größen angeboten. Also kauft euch ein Modell, das mit seinen Verstellmöglichkeiten noch in beide Richtungen etwas Spiel hat.

Fallstoßbremse am Klettersteig

Da wir ja an den fixen Stahlseilen auf uns alleine gestellt sind, haben wir niemanden, der Fallenergie bei einem Sturz über ein Sicherungsseil abfangen könnte. Wir müssen also eine lebensrettende Bremse bei uns am Körper tragen – hier ist aber nicht die Rede von zwei kurzen Seil- oder Bandstücken helfen, die direkt am Gurt eingeknotet wurden. Bedenkt man, dass ein Sturz einer 80 kg schwere Person aus nur 5 Metern Höhe bis zum nächsten Sicherungshaken auf einen etwa 40 kN Fangstoß auf das verwendete Sicherungsmittel aus. Doch weder Mensch noch Material sind diesen enormen Kräften gewachsen, was im schlimmsten Fall zu lebensgefährlichen Verletzungen führen kann. Ohne Fallstoßbremse hat also NIEMAND etwas auf einem Klettersteig verloren.

Beim Salewa Set Via Ferrata Ergo Zip Klettersteigset ermöglicht ein integrierter Zip-Roller ermöglicht ein körpernahes Karabinerhandling und unterbindet dadurch Stolpergefahr
Beim Salewa Set Via Ferrata Ergo Zip Klettersteigset ermöglicht ein integrierter Zip-Roller ermöglicht ein körpernahes Karabinerhandling und unterbindet dadurch Stolpergefahr

Früher bestand diese aus einer Lochplatte durch die das Seil geführt wurde. Im Falle eines Sturzes wurde das Durchlaufen des Seiles durch Reibung dynamisch abgebremst und damit ein harter Sturz vermieden. State of the Art sind aber inzwischen die sogenannten Bandfalldämpfer. In einem kleinen Packsack befindet sich eine verwobene Bandschlinge, deren Nähre bei einem impulsartigen Ruck aufreißen und so den Bremsweg verlängern. Diese neuen Modelle haben neben dem Wegfall von Bedienfehlern – hier ist es nämlich egal, ob ein oder beide Schlingen eingehängt sind – zudem den Vorteil, dass sie auch in nassem oder feuchtem Zustand die gleiche Wirkung entfalten können, was bei den Reibungsbremsen durchaus zu Problemen führen konnte. Nachteil der Bandfalldämpfer ist die Tatsache, dass sie nach einem Sturz nicht wiederzuverwenden sind, was aber lediglich dem Geldbeutel schmerzt. Zu empfehlen wäre hier lediglich Modelle, die über eine zusätzliche Rastschlaufe verfügen, die nicht durch den Fangstoßdämpfer läuft und ihn somit nicht belastet. Beim Fotografieren oder auch einfach beim Ausruhen nach langen und ausgesetzten Passagen kann man sich in diese zusätzliche Sicherung am Stahlhaken einklinken und ausruhen.

Spezielle Klettersteig-Karabiner

Also hier wird’s recht einfach für euch, da in allen neueren Klettersteig-Sets die Karabiner bereits in den den Bandstücken eingenäht sind und euch somit die Entscheidung für ein bestimmtes Karabiner-Modell quasi abgenommen wird. Die Unterschiede der angebotenen Haken sind dabei nur marginal, denn alle Sicherungen haben inzwischen größere Öffnungen, verriegeln sich selbst und lassen sich über eine Schiebe- oder Druckmechanik leicht öffnen. Ihr könnt also nichts mehr falsch machen.

Steinschlaghelm

Leicht und stabil - so wie der Salewa Duro sollten Kletterhelme aussehen
Leicht und stabil – so wie der Salewa Duro sollten Kletterhelme aussehen

Vor einem Absturz seid ihr durch Gurt und Fallstoßbremse schon mal aus dem Gröbsten raus. Doch Klettersteige bergen auch Gefahren, die man nicht selbst beeinflussen kann. Spontane Steinschläge, herabfallendes Eis, abgetretenes Material von Kletterern über einem im Steig oder auch nur das Anschlagen des Kopfes am Fels sorgen immer wieder für schlimme Verletzungen. Vor diesen kann man sich nur mit einem Helm schützen. Im Grunde kommen hier nur zwei Arten von Helmen in Frage: Hartschalenhelme mit einem innenliegenden Gurtsystem oder Hybridhelme, unter deren Außenschale eine Schaumdämpfung liegt. Reine Inmold-Helme sind im Klettersport nicht wirklich zu empfehlen, weil deren dünne Schale nicht außreichend Schutz gegen eine Durchdringung von Spitzen Gegenständen wie Steinen oder Eiszapfen bietet. Auch wenn sie, wie die beiden anderen Modelle die Zertifizierung nach CE EN 12492 und UIAA erfüllen, solltet ihr die Finger von Inmold Helmen lassen. Viel mehr ist zu Kletterhelmen nicht zu sagen, da sie meist recht puristisch ohne viel Schnickschnack daherkommen. Sie müssen lediglich perfekt an die eigenen Kopfgröße anpassbar sein und über ausreichend Belüftungsschlitze verfügen. That´s it!

Handschuhe für Klettersteige

Anders als beim Sportklettern, hat man es bei Klettersteigen nicht ausschließlich mit den Griffen am nackten Fels zu tun, sondern auch mit jeder Menge Metall zur Sicherung des Steiges. Leider verursachen die Stahlseile immer wieder unschöne Verletzungen, wenn sie altersbedingt oder schlecht gewartet an den Enden aufspleißen und einzelne abstehende Drähte ihre destruktiven Spuren in unachtsamen Kletterhänden hinterlassen. Abhilfe schaffen hier Handschufe, die speziell für Klettersteige angefertigt wurden. An stark beanspruchten Stellen wie den Handinnenseiten sind die Modelle mit einem besonders robusten Stoff wie zum Beispiel Keflar ausgestattet. Die Finger bleiben aber meist frei, um weiterhin ausreichend Gefühl für die natürlichen Griffe zu haben.

Klettersteig-Schuhe

Der Dachtein Super Ferrata is speziell für Klettersteige konzipiert worden und schließz die Lücke zwischen klassischen Wander.- und Kletterschuhen
Der Dachtein Super Ferrata is speziell für Klettersteige konzipiert worden und schließz die Lücke zwischen klassischen Wander.- und Kletterschuhen

Klettersteige sind die Verbindung von Wandern und Sportklettern. Da sollte es auch nicht verwundern, dass auch die Schuhe genau diese „Hochzeit“ widerspiegeln. So unterstreichen die speziellen Modelle für Klettersteige mit ihrem niedrigen Schnitt und einer härteren Sohle die sportliche und agile Seite des Sports. Doch anders als reine Kletterschuhe sind sie aus einem weicherem Material gewertigt und sind in ihrer Passform so designt, dass mit ihnen auch lange Tagestouren ohne Schmerzen in den Füßen möglich sind – so ist jedenfalls der Plan. Früh in der Klettersaison empfehlen sich aber dennoch höhere Boots, da einzelne Passagen noch von Schnee bedeckt sein könnten, der es durch den höheren Schnitt etwas schwerer hat, einen Weg in unsere Socken zu finden.

 

Rucksack und sein Inhalt

Da die meisten Klettersteige schöne Tagestouren sind, ist die zusätzliche Ausrüstung noch gut überschaubar
Da die meisten Klettersteige schöne Tagestouren sind, ist die zusätzliche Ausrüstung noch gut überschaubar

Das wichtigste habt ihr jetzt eh inzwischen schon am Mann – also kann nicht mehr so wirklich viel schief gehen. Klettersteige sind meistens Tagestouren, weil oftmals schon die Zustiege bis zum Start des Klettersteiges mehrere Stunden beanspruchen können. Fernab von Hütten müsst ihr dann auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, die währen dieser Zeit auf euch zukommen können. Vergesst also nie, dass ihr euch im Gebirge bewegt und sich hier das Wetter recht schnell ändern kann. Wir haben euch folgend eine Liste mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen zusammengestellt.

Regenschutz -Leicht aber funktionell wählen. Im Gebirge kann selbst sommers binnenkürzester Zeit ein Wetterumschwung Schnee und entsprechende Temperaturen bringen.
Sonnenschutz – Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, Sonnenbrille, Hut/Kappe für Zustieg/Abstieg
Teleskopstöcke – für den Abstieg und bei Schneefeldern….

Erste Hilfe – Tape, Pflaster (und anderes, je nach Vorhaben)

Verpflegung – ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, Traubenzucker für einen Energieschub, Gel, Riegel, …
Orientierung – Mobiltelefon , Notrufnummern, Klettersteigführer und ev. GPS-Gerätmit geladenen Routen, Wegpunkten
Foto/Video – Kamera, geladene Akkus, Filme, Kassetten, Memorychips
Geld
Dokumente – Alpenvereinsausweis, ev. Liftkarten
Schreibzeug – offenbar gibt’s einige Wandbuch-Schreibzeug-Sammler
Nützliches – Leatherman, Taschen- oder Stirnlampe, Bandschlinge

 

Tags : KlettergurtKletterhelmKlettersteig

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