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Jobs: Location-Scout & Fotograf

Er pendelt zwischen Österreich und Portugal. Immer dabei: seine Kamera. Alex Papis ist Location-Scout und Actionsport-Fotograf. Was ihn daran so viele Jahre schon fasziniert und warum er bei der Arbeit schon mal das Essen vergisst, erfahrt ihr hier.

© Alex Papis
© Alex Papis

Alex, wie bist du zur Fotografie gekommen?
Fotografie war schon immer ein Hobby von mir. Die meiste Zeit war ich mit meinen Freunden zum Skaten unterwegs und habe währenddessen fotografiert. Meine damalige Nachbarin in Wien war professionelle Fotografin und ließ mich ihre Dunkelkammer benutzen. Über sie bin ich auch an meinen ersten bezahlten Job für ein Wiener Streetfashion-Magazin gekommen. Ich war damals 19, gerade fertig mit dem Bundesheer und hatte zum ersten Mal den Gedanken, dass ich aus meinem Hobby tatsächlich einen Beruf machen könnte.

© Alex Papis
© Alex Papis

Bevor du dich als Fotograf etablieren konntest, hast du als Location-Scout gearbeitet. Wie kam es dazu?
Ich war unentschlossen, ob ich meine Matura nachholen und ein Studium beginnen oder mich anderweitig umschauen sollte.  Einige Freunde arbeiteten damals als Produktionsassistenten beim Film und so bin auch ich dort gelandet.
Recht bald habe ich jedoch gemerkt, dass ich meine Zukunft nicht in der Filmproduktion sehe. Man bleibt doch meistens nur ein kleines Rädchen im Getriebe; mir war es wichtiger, individuell arbeiten zu können. Nachdem ich ein paar Jobs als Set-Fotograf gemacht hatte, wurde ich gefragt, ob ich nicht nach passenden Locations für neue Produktionen suchen könnte.
Ich war durch die Fotografie sowieso ständig in ganz Österreich unterwegs und konnte diese neue Arbeit gut in mein Leben einbinden. Durch die engen Beziehungen zur Filmbranche habe ich immer mehr Aufträge bekommen und beschlossen, die Arbeit als Produktionsassistent sein zu lassen und mich auf Location-Scouting und Set-Fotografie zu konzentrieren.

Wie fängt man die Atmosphäre und den Vibe einer Stadt wie Wien ein? © Alex Papis
Wie fängt man die Atmosphäre und den Vibe einer Stadt wie Wien ein? © Alex Papis

Was macht ein Set-Fotograf bzw. Location-Scout?
Man bekommt eine Aufgabenstellung, ein Skript und ein Storyboard, nach dem man sich richten kann, doch am Ende bleibt es dir selbst überlassen, wie du die Atmosphäre einfängst, welche Winkel du wählst usw. Im Grunde genommen ist man sein eigener Chef.

Wie viel Zeit bleibt dir als Scout für die Suche nach der passenden Location?
Ich werde meistens sehr kurzfristig beauftragt. Die Agenturen pitchen ihre Projekte und sobald sie den Zuschlag bekommen, geht es sofort los. Ich bin einer der ersten in der Kette, denn vom Ort hängen schließlich die restlichen Produktionsabläufe ab. Es passiert auch, dass ich einen Job annehme, wenn ich gerade in Portugal bin. Dann muss ich schon mal kurzfristig nach Österreich fliegen.

Persil wirbt mit strahlend weißer Wäsche. Kann man in dieser makellosen Umgebung ideal umsetzen, oder? © Alex Papis
Persil wirbt mit strahlend weißer Wäsche. Kann man in dieser makellosen Umgebung ideal umsetzen, oder? © Alex Papis

Übernimmst du jeden Auftrag, vom Wohnzimmer bis zur Bergalm?
Ich habe mich auf Outdoor-Locations spezialisiert und ein wenig Abstand abgenommen von Scouts nach Wohnungen und Häusern. Diese Art der Suche kann sehr frustrierend sein, denn erstens gibt es Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben und über eigene Archive verfügen, und zweitens dauert es meist sehr lange. Die wenigsten Wohnungs- oder Hausbesitzer wissen nicht, was auf sie zukommt, schrecken davor zurück und man bekommt eine Menge Absagen. Draußen den passenden Ort zu finden funktioniert da um einiges besser, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Dafür habe ich gutes Auge, den Rest überlasse ich den Agenturen.

Arbeitest du ausschließlich in Österreich?
Hauptsächlich. Ich habe auch schon eine Anfrage für Portugal bekommen, aber die Produktionen müssen in diesen Fällen sehr eng mit den Behörden zusammenarbeiten und bevorzugen es, wenn die Wege nicht allzu weit sind. Da sind mitunter Crews von dreißig Personen unterwegs und der Aufwand, die ganze Truppe von einem zum anderen Ort zu bringen, ist eh schon immens. Man muss aber auch gar nicht ins Ausland gehen, denn Österreich ist so vielfältig und bietet so gut wie alles an Locations. Wir haben Großstädte, Berge, Seen usw. Das einzige, was fehlt, ist das Meer.

Alex kennt die magischen Orte Österreichs und weiß sie in Szene zu setzen © Alex Papis
Alex kennt die magischen Orte Österreichs und weiß sie in Szene zu setzen © Alex Papis

Bist du heute mehr als Fotograf oder als Scout beschäftigt?
In den ersten zehn Jahren war ich mehr als Location-Scout unterwegs. Da die Wintersaison auf wenige Monate begrenzt ist, musste ich ja schauen, dass ich auch den Rest vom Jahr Arbeit hatte. Mittlerweile hat sich das aber gedreht. 80 Prozent meiner Zeit arbeite an meinen eigenen Projekten und die Scouting-Geschichten sind deutlich weniger geworden. Das liegt auch daran, dass ich nicht mehr ausschließlich im Winter als Fotograf tätig bin, sondern Foto-Projekte über das ganze Jahr verteilt habe.

Zum Beispiel?
Für SP Gadgets fotografiere ich die gesamte Produktpalette, inklusive Action-Fotografie. Die Firma ist in allen Bereichen des Actionsports vertreten und somit reicht meine Arbeit als Fotograf weit über die Wintermonate hinaus. Für Sportscheck fotografiere ich Kataloge, sowohl Winter als auch Sommer, die beinhalten neben den Wintersportarten auch Skaten und Surfen. Jetzt bin ich gerade dabei, mich für einen Job bei GoPro zu bewerben. Da bin ich sozusagen in der Einlernphase, hatte ein Test-Shooting in der Area 47 im Ötztal, wo ein paar andere Fotografen und ich uns mit den verschiedenen Mounts und anderen Produkten beschäftigt haben. Nach dieser Phase werde ich für eigenen Freelance-Projekte ins Feld geschickt.

Gibt es Projekte, bei denen du von vorneherein nein sagst?
Nein, der einzige Grund für mich abzusagen, wäre schlechte Bezahlung. Ansonsten bin ich immer offen für Neues. Ich finde, das gehört zu diesem Job dazu.

Wenn du für GoPro arbeitest, bedeutet das ja auch für dich als Fotograf, dass du dich auf technischer Ebene weiterentwickeln und neue Dinge lernen musst, oder?
Auf jeden Fall, das ist ein komplett anderer Zugang zur Fotografie. Es geht hauptsächlich um die verschiedenen Mounts und neue POV-Winkel. Im Grunde musst du schon bevor die eigentliche Action passiert wissen, wie das Foto am Ende aussehen soll.

Immer auf der Suche nach neuen Perspektiven © Alex Papis
Immer auf der Suche nach neuen Perspektiven © Alex Papis

Was macht deine Arbeit spannend?
Die Abwechslung. Immer wieder mit neuen Leuten zu arbeiten und mich mit neuen Sportarten auseinanderzusetzen, die Reisen, die Tatsache, immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt zu werden und immer wieder aufs Neue den Zugang zu einem Projekt zu finden. Selbst beim Snowboarden, womit ich mich schon so lange beschäftige, ist es nie das Gleiche. Selbst Katalog-Shootings, bei denen mein eigener Anspruch in den Hintergrund rückt, haben ihren Reiz. In einem engen Zeitrahmen das qualitativ umzusetzen, was sich der Kunde vorstellt, ist eine große Herausforderung.

Mit der Skatefotografie hat damals alles begonnen © Alex Papis
Mit der Skatefotografie hat damals alles begonnen © Alex Papis

Welche Projekte aus den vergangenen Jahren sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Das letzte Katalogshooting für Sportscheck war in Kanada. Die neun Tage, die wir zur Verfügung hatten, waren extrem anstrengend und sind wirklich an die Substanz gegangen. Ich habe mitunter vor lauter Konzentration das Essen vergessen, so dass andere mich dran erinnern und beinahe zwingen mussten. [lacht] Meine Skepsis zu Beginn, rechtzeitig mit allem fertig zu werden, hat mich dazu gebracht, an meine Grenzen zu gehen und auch darüber hinaus.

Als Fotograf bist du auch Künstler. Was fasziniert dich auf dieser Ebene gerade am meisten?
Ich komme immer mehr in die Surffotografie hinein und liebe es, im Wasser zu fotografieren. Es ist nicht leicht, dabei gute Ergebnisse zu erzielen und mich begeistert es jedes Mal aufs Neue, wenn alles im richtigen Moment zusammenkommt.

Aus dem Waser zu fotografieren ist eine große Herausforderung neue Leidenschaft des Portugal-Österreichers © Alex Papis
Aus dem Waser zu fotografieren ist eine große Herausforderung neue Leidenschaft des Portugal-Österreichers © Alex Papis

Hattest du jemals einen „normalen“ 9-to-5-Job?
Nein. [lacht]

Gab es Zeiten, in denen du an deiner Jobwahl gezweifelt hast?
Flauten gibt es immer, damit muss man rechnen. Es gab auch schon Monate, wo ich keine neuen Aufträge bekommen habe und überlegt habe, ob das alles so funktioniert. Glücklicherweise haben sich jedoch immer wieder neue Möglichkeiten aufgetan. Sagen wir’s so: Ich bin reich an Erfahrungen, aber nicht unbedingt auf dem Konto. [lacht]

Du hast es bereits kurz angesprochen: Die Hälfte deiner Zeit verbringst du in Österreich, die andere in Portugal am Meer. Wie hat sich dieser beneidenswerte Umstand ergeben?
Meine Frau und ich haben uns nach der Hochzeit dafür entschieden, diesen Schritt zu gehen und gesagt: Wir probieren es einfach mal. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Österreich niedriger und auch was die Mietpreise betrifft sind wir in beiden Ländern noch weit davon entfernt, was etwa Freunde in München oder Zürich bezahlen müssen. Dennoch funktioniert es nur, weil wir beide selbstständig sind und von überall arbeiten können.

Die portugiesischen Motorrad-Liebhaber der "Maria Riding Company" © Alex Papis
Die portugiesischen Motorrad-Liebhaber der „Maria Riding Company“ © Alex Papis

Für Jobs als Location-Scout in Österreich ist es aber wahrscheinlich schwieriger, wenn du nicht im Land bist, oder?
Man muss schon danach schauen, dass man nicht zu sehr aus dem Fokus gerät und sich immer wieder in Erinnerung rufen. Und ich muss jederzeit bereit sein, für einen Job zurückzukommen. Zum Glück sind auch die Flüge kein allzu großer Kostenaufwand, auch wenn’s einmal spontan sein muss. Aber ich merke schon, dass es wahrscheinlich mehr Aufträge geben würde, wenn ich permanent in Österreich wäre.

Hast du jemals bereut, den Weg der Fotografie und des Scoutens eingeschlagen zu haben?
Nein, nie. Ich kann mir keine Arbeit vorstellen, die mich mehr ausfüllen würde. Meine Beziehung, meine Arbeit, ich merke bei beidem, dass es der richtige Weg für mich ist. Jeder muss einen Weg finden, den er erfüllend findet und ich habe meinen gefunden.

Mehr über Alex Arbeit erfahrt ihr auf alexpapis.com

Tags : Jobs

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