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Jobs: Drohnen. Die Faszination der fliegenden Bilder

Drohnen zeigen uns die Welt von oben. Hochauflösende Bilder in höchster Qualität, Live-Streams von Events, die Möglichkeiten sind scheinbar unbegrenzt. Doch wer lenkt diese Fluggeräte eigentlich?

Wir vom Prime Elements Magazine werden euch unter „Jobs“ in regelmäßigen Abständen Leute vorstellen, die im Outdoor-Bereich ihre Passion gefunden und zum Beruf gemacht haben. Menschen, mit denen du ab und an gerne tauschen und den Bürostuhl gegen einen spannenderen Arbeitsalltag einwechseln würdest.
Dieses Mal haben wir uns mit Vincent Haldy von anviFILMS unterhalten. Die junge deutsche Firma hat sich auf Luftaufnahmen mit Drohnen spezialisiert und sich in kurzer Zeit nach ganz oben gearbeitet. Ihre Kunden reichen von Red Bull, Suzuki, Pistenbully bis nach Good Morning America und Hollywood. Angefangen hat alles auf dem Modellflugplatz…

Kurz vor dem Start: Vincent checkt die letzten Einstellungen seiner Heavy Lift Drohne, einem Quadcopter, die gleich mitsamt Alexa Mini Kamera abhebt
Kurz vor dem Start: Vincent checkt die letzten Einstellungen seiner Heavy Lift Drohne, einem Quadcopter, die gleich mitsamt Alexa Mini Kamera abhebt

Wer ist anviFILMS?

Danke, dass du dir in deinem vollgepackten Terminkalender ein wenig Zeit für uns freigeschaufelt hast! An was für einem Projekt arbeitet ihr gerade?
Wir arbeiten immer an mehreren Projekten gleichzeitig, gerade letzte Woche war ich für vier verschiedene Aufträge unterwegs. Darunter waren Aufnahmen für eine Porsche-Werbung, ein noch streng geheimes Werbe-Projekt in Hamburg und für eine ZDF-Serie. Daher sind wir meistens nur ein bis zwei Tage für unsere Aufnahmen vor Ort, bevor es zum nächsten Auftrag weitergeht. Das macht die Arbeit spannend und abwechslungsreich. Wir erleben und gestalten viele verschiedene Projekte und müssen nicht drei, vier Wochen an einem einzelnen Video arbeiten.

Kannst du für uns als Unwissende kurz erklären, was genau eure Arbeit ist?
Wir haben uns darauf spezialisiert, hochauflösende, vollstabilisierte Luftaufnahmen zu liefern. Wir arbeiten mit Drohnen und bieten unseren Kunden ein professionelles Team an, das sowohl über das technische Know-how wie auch über einen filmischen Blick für Bilder verfügt. Diese Kombination ermöglicht es uns, die Aufträge auf höchstem Niveau auszuführen.
Es gibt mittlerweile viele kleine Drohnen, die man auf dem Consumer-Markt kaufen kann. Davon grenzen wir uns ganz bewusst ab, weil wir ausschließlich im High-end-Bereich unterwegs sind. Wir filmen mit Kameras wie Red Epic und Alexa Mini und auch unsere Drohnen gehören zu den besten, die es auf dem Markt gibt.

Vom Modellflug zu Drohnen

Lass uns einen Blick zurückwerfen. 2011 habt ihr anviFILMS gegründet. Wie kam es dazu, was war die zündende Idee?
Andreas [Hechler; Anm. d. Red.] und ich kennen uns seit Kindesbeinen an. Mit 12 Jahren waren wir gemeinsam im Modellflug-Verein, haben dort ferngesteuerte Flugzeuge gebaut und geflogen. Als die Frauen ins Spiel kamen, wurde das Ganze jedoch ein wenig uncool [lacht]. Es kommt einfach nicht so gut an, wenn du mit 15 oder 16 auf dem Modellflugplatz abhängst… Getrennt voneinander haben wir begonnen, Extremsport zu betreiben. Andi fuhr viel MX und Snowboard, ich habe mich dem Freeskiing und Dirtbiken zugewandt. Zu dieser Zeit hat sich in unserer Heimat südlich von Darmstadt auch eine sehr aktive Szene entwickelt.
Nicht anders als junge Extremsportler heute, wollten wir zeigen, was wir können und haben begonnen, Filme zu produzieren. Gemeinsam haben wir zwei Filme gedreht, die alle Disziplinen unserer lokalen Szene vereinten. So sind wir in diese ganze Extremsport-Film-Sache reingekommen und haben begonnen, für Red Bull und Monster Energy kleine Aufträge zu erfüllen. Heute müssen wir grinsen, wenn wir daran denken, was das damals für Pillepalle-Sachen waren, aber sie haben uns die Tür in dieses Business geöffnet.

Habt ihr direkt mit der Drohnen-Filmerei begonnen?
Wir haben von Anfang an darüber nachgedacht, wie wir unsere Kameras in die Luft bekommen. Durch unsere Wurzeln in der Modellfliegerei hatten wir bereits den Zugang und haben zunächst mit benzinbetriebenen Helikoptern herumexperimentiert.

„Mit 12 Jahren waren wir gemeinsam im Modellflug-Verein und haben dort ferngesteuerte Flugzeuge gebaut und geflogen. Als die Frauen ins Spiel kamen, wurde das Ganze jedoch ein wenig uncool“

Die waren für unsere damaligen Verhältnisse ziemlich teuer, wir haben ein paar tausend Euro in die Geräte investiert. Das war für uns mit 17 Jahren richtig viel Geld. Aber durch die Vibration der Motoren waren die Bilder nicht perfekt stabilisiert und auch die Kameras, die wir zur Verfügung hatten, konnten uns nicht zufriedenstellen. Wir haben nicht locker gelassen und als wir von der heute weltberühmten Firma DJI und ihrer S800 Drohne hörten, wussten wir, dass wir unbedingt auf diesen Zug aufspringen wollten.
Wir waren dann die ersten in Deutschland, die diese Drohne bekommen haben. Im Zuge einer Partnerschaft mit DJI haben wir erste Videos gedreht und uns so endlich Schritt für Schritt in die Richtung entwickelt, in der wir heute tätig sind. Im Zuge dieser ständigen Weiterentwicklung lernten wir vor zwei Jahren Skynamic aus Mainz kennen, haben uns zusammengeschlossen und sind nun insgesamt ein Team von sechs Leuten.

In der Zeit vor den Drohnen gab es keine Möglichkeit, bei einem Jetski-Rennen so nah an die Action zu kommen
In der Zeit vor den Drohnen gab es keine Möglichkeit, bei einem Jetski-Rennen so nah an die Action zu kommen

Learning by doing

Ihr habt also keine Ausbildung gemacht, die etwas mit Film oder dergleichen zu tun hat, sondern habt euch eure Fähigkeiten selbst angeeignet?
Genau. Als wir anfingen, hatte ich gerade mein Abitur in der Tasche und Andi eine Lehre zum Industriemechaniker abgeschlossen. In den letzten drei Jahren hat er zusätzlich Maschinenbau studiert und ich stecke gerade in meinem Wirtschaftswissenschafts-Studium. Allerdings bleibt aufgrund der vielen Aufträge wenig Zeit dafür. Zehn Prozent Studium, neunzig Prozent Arbeit, mehr Zeit bleibt für die Uni eigentlich nicht.

Was macht für dich den besonderen Reiz deiner Arbeit aus?
Zum einen die Herausforderung, sich technisch immer weiterzuentwickeln, an den Drohnen zu arbeiten und neue Standards zu setzen. Zum anderen, dass wir bei vielen verschiedenen Projekten neuen Input geben und sie somit erheblich verbessern können.

Inwiefern verbessern?
Wenn du zum Beispiel einen Kurzfilm siehst oder eine Werbung, die Luftaufnahmen beinhaltet, sind sie selten dominant oder stechen hervor. Luftaufnahmen machen in den meisten Fällen maximal 30 Prozent eines solchen Films aus, doch genau diese 30 Prozent können den Unterschied machen und das Video aus der Masse hervorheben. Mir macht es Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen mit unserem Wissen und unseren Fähigkeiten zu helfen.

Vincent und Andi von anviFILMS
Vincent und Andi von anviFILMS

Die Drohnen, mit denen ihr arbeitet, sind mit Sicherheit keine Standard-Drohnen, oder?
Stimmt! Wir arbeiten mit verschiedenen Drohnen und sind dabei immer direkt mit den Herstellern in Kontakt. Wir kaufen quasi die Grundbausteine, die auch für jeden anderen erhältlich sind, und modifizieren diese. Den größten Aufwand stecken wir dabei in die Vibrationstechnik. Die Kamera wird hier etwa dämpfend aufgehängt und kann somit ein vibrationsfreies Bild übertragen. Kurz: Wir kaufen das neueste Produkt von der Stange, erweitern und mixen es mit weiteren Bausteinen, um am Ende das perfekt Gesamtpaket zu erhalten, das unseren Ansprüchen gerecht wird.

Wie ein Tag beim freestyle.ch für die Drohnen-Filmer verläuft und was sie von Nepal über Afrika bis nach Hollywood bringt, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

Tags : DrohneJobs

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