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Honda Civic Tourer Active Life Concept

Foto-Copyright © Honda Motor Europe Ltd.

Rennradfahrer sind oft ganz schön penibel, wenn es um ihr Bike geht. Muss es im oder am Auto transportiert werden, gelten etwa 264 Regeln zur Verstauung des kostbaren Rads. Pfiffige Lösungen, wie die der Ingenieure beim Honda Civic Tourer Active Life Concept stehen deshalb bei Rad-Enthusiasten hoch im Kurs…

Zugegeben, ich gehöre zu diesen merkwürdigen Leuten mit einem Bike-Fetisch. Kürzlich waberte mir sogar der Ausdruck ‚Objektophilie‘ entgegen. Bleidigend? Keineswegs, war eben kein Member meines „Clubs“.
Cool sein wollen sie ja alle, die Autohersteller. Jedenfalls bei den Autos mit einer Ausrichtung auf die junge, agile, dynamische und natürlich sportliche Zielgruppe. Eine der größten und defintiv die seit Jahren am schnellsten wachsende, ist die der Biker. Nicht nur die Mountainbikes boomen, vor allem auch die Rennradfraktion und das sogar in Ländern mit nicht so 100% radsportkompatibler Wetterdynamik wie England.

Rennradtransport im Innenraum - im Honda Civic Tourer Active Life Concept
Rennradtransport im Innenraum – im Honda Civic Tourer Active Life Concept

Nun sind Fahrradträger keine Erfindung aus diesem Jahrtausend und in mannigfaltiger Ausführung an jeder Straßenecke zu bekommen.Transport auf dem Dach, auf dem Kofferraumdeckel oder einer Plattform auf dem Kugelkopf der Anhängerkupplung – möglich ist viel. Der sperrige Kram muss oft (nicht immer) mühsam montiert werden und vergisst man bei der Hoteleinfahrt die etwas tief hängende Überdachung, hängen schnell ein paar Tausender Kohlefaser an der Fassade. Das kommt viel öfter vor als man glaubt, aber wer veröffentlicht schon seine eigene Blödheit in Bildform bei Facebook? Das machen nur andere…

Opel brachte 2011 den versenkbaren Radträger FlexFit für Corsa, Astra, Meriva und Antara auf den Markt, der beim Autokauf konfiguriert werden muss. Haken an der Sache: der Transport findet draußen statt. Dafür verschwindet das Ding im Unterboden des Kofferaums und das Nummernschild fährt auch gleich aus – spart 7,90 Euro für ein weiteres Nummernschild an einem externen Träger. Der Außentransport spart zwar viel Platz im Innenraum, ist aber gerade bei Rennradfahrern ziemlich unbeliebt. Wer will schon den ganzen Straßendreck am Bike und noch viel schlimmer, Steinchen den Lack abplatzen sehen? Brrr, gruselige Vorstellung. Lösung des Problems: Innenraumtransport. So sicher wie bei Mama im Bauch. So, jetzt sind wir endlich im Thema.

Rennräder im Innenraum

Ideale Fahrzeuge für den Radtransport im Basiszustand (nix ausgebaut, stehend) sind natürlich Vans und Transporter. Fahrzeuge wie VW Touran und Sharan oder die T-Serie, Mercedes Vito, Ford Tourneo und Opel Vivaro machen das Leben leicht. Reinrollen, festzurren (natürlich mit weicher Unterlage am Rohr), fertig. Eine Größenklasse beim Laderaum darunter ist schon Schluss mit Lustig. Denn selbst bei SUV wie BMW X-Serie, Audi Q-Serie, VW Touareg und diversen anderen Lifestyle-Kutschen könnte schon eine integrierte Sattelstütze den aufrechten Transport verhindern. Oft fehlt es nur an 1-2 Zentimetern, aber das reicht. In der Kombiklasse fehlen dann bei integrierter Stütze oft noch ein paar Zentimeter mehr. Das liegt am meist zu hohen Laderaumboden einerseits und am anderen Ende an der aufliegenden Rücklehne. Ein Teufelskreis.

Fix Fork Racksystem für den Honda Civic Tourer
Fix Fork Racksystem für den Honda Civic Tourer

Honda Civic Tourer Active Life Concept

Als Honda auf der IAA 2015 das Active Life Concept vorstellte, sagten wir uns: abwarten, interessant ist nur was in Serie geht und gerade mit solchen Laderaumkonzepten spielen viele Hersteller herum, realisieren tun es am Ende nur sehr wenige. Honda hat zumindest den Grundgedanken realisiert. Unter „Active Life Concept“ versteht Honda überragende Vielseitigkeit (O-Ton) und die Vereinbarkeit von ansprechendem Styling und großem Platzangebot (O-Ton). Ok, das hat die Marketingabteilung getextet, wir schauen mal nach. Vor allem schauen wir mal, warum der Honda Civic Tourer sich eigentlich eine derart tiefe Kofferraummulde leisten kann, um dort die Vorderradgabel zu montieren.

Ladeflächenmulde XXL im Honda Kombi
Ladeflächenmulde XXL im Honda Kombi

Früher lag hier mal ein Ersatzrad, das ist natürlich Old-School – man benutzt heute Dichtmittel und Kompressor, passt ins Handschuhfach. Verbleibt der Tank, wo ist der geblieben? In der Fahrzeugmitte, Sandwich quasi – irgendwie auch Rocketman, aber das ist inzwischen bei vielen Autos so. In die fette Lademulde passt nun das verstellbare Rennrad-Rack mit Vorderradhalterung rein. Sowohl die Achsklemme als auch die VR-Halterung lassen sich auf dem Schienensystem mit einem Inbus verschieben. Das gesamte System stammt übrigens nicht aus Hondas Entwicklungsabteilung, sondern vom Belgier Johan Gantois mit seiner Firma Fix Fork, wo es Transportsysteme für viele Autos zu kaufen gibt. Oft passt aber das Auto nicht so ganz zum Wunsch des Kunden. Hier schon.

Preislich wird das Haltesystem voraussichtlich 610 Euro kosten, wobei 400 Euro auf das Basissystem mit einer Radhalterung entfallen.

Fertig eingespannt und gezurrt - so fährt man sicher mit im Innenraum verstauten Rennrädern.
Fertig eingespannt und gezurrt – so fährt man sicher mit im Innenraum verstauten Rennrädern.

Die Vorderradgabel liegt also im tiefen Wagenboden und nimmt so auch etwas Höhe von Sattel und Stütze. Das Hinterrad wird mit einem eigenen „Sicherheitsgurt“ arretiert. Natürlich ist das Pressefoto an der Stelle kein Vorbild. Der Hüter (Fahrer) des heiligen Grals (Lieblingsrennrad) würde niemals mit einem Gurt eine Speiche unter Zug setzen, sondern diese immer auf Höhe der Kettenstrebe drehen und diese (gepolstert) festziehen. Abgesehen von diesem physikalischen Faux pas, ist diese Lösung sehr sicher. Das Schienensystem ist im Wagenboden verklemmt und kann sich nicht lösen, das Hinterrad gezurrt. Die nächste Vollbremsung kann kommen!

Innenraumtransport

Das von Honda vorgestellte System ist für Rennräder konzipiert und erlaubt den Transport von maximal zwei Rädern. Mountainbikes sind nicht vorgesehen, es mag aber sein, dass es mit einer alternativen Halterung von Fix Fork funktionieren kann.

Die Rücksitzbank des Honda Civic Tourer ist im Verhältnis 40:60 umklappbar. So lässt sich das kleinere Element für ein Rennrad umklappen und es verbleiben noch 60% für einen weiteren Beifahrer und eine ganze Menge Gepäck übrig.

Verfügbar ist das Radtransportsystem für den Honda Civic Tourer ab Herbst 2016.

Auf der folgenden Seite findest Du Impressionen der 2015 auf der IAA vorgestellten Studie, die auch beim 99. Giro D’Italia als Supportfahrzeug eingesetzt wurde.

Tags : AutoFahrradtransportHonda

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