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Freeski Road Trip von Vancouver nach Haines

Tag 20

Das berüchtigte Geduldspiel von Alaska beginnt genau zum Auf­takt des Freeride-­World-Tour-Con­tests. Wir sitzen, warten und hoffen, dass drei Tage Heliskiing, die wir genießen durften, uns den ent­scheidenden Vorteil gegen­­­über der Konkurrenz bringen wer­den. Nur wenige der einge­la­de­nen Athleten sind schon in den Genuss gekommen, in AK Ski oder Snowboard zu fahren. Doch schließlich endet das veranschlagte zwölftägige Wetterfenster – ohne Contest. Wir ­warten noch ein wenig länger, fliegen manch­mal hoch zum Hang, nur um ihn im Nebel verschwinden zu se­hen – wie eine verstohlene Hexe in der Dunkelheit. In der Kneipe, in der wir unsere Tage verbringen, ist inzwischen die halbe Speisekarte gestrichen. Die Nachschub-Lkw haben den Kampf gegen die gelangweilten und hungrigen Athleten verloren und scheinbar aufgegeben. Aber dann, als wir schon die Hoffnung aufgegeben haben, geht es doch noch los: der erste FWT-Event in Alaska! Die Berge Alaskas brummen wie ein aufgerissenes Hornissennest. Jeder flugbereite Heli der Gegend ist in der Luft, um Rider, Journalisten und Mitarbeiter hochzufliegen.

Haines am Chilikoot Inlet zählt du den Absoluten Bigmountain-Mekkas

Der Contest

Der Contest entspricht genau dem wunderbaren Gemetzel, das ich mir erhofft hatte. Als ich an der Reihe bin, flowe ich meine Line hinunter, aber meine Aggressivität ist dahin. Ich werde nur Vierter und verpasse mein Ziel, das Podium, knapp. Wil­le und Jérémie wiederholen meinen Fehler nicht, erzielen aber unter­schied­liche Ergebnisse. Wille bricht mir das Herz, als er auf dem Weg zum Sieg unglücklich über ein großes Cliff stürzt. Jérémie hat es wie immer eilig und bolzt ohne das geringste Zögern das Face hinunter, als wäre es ein Super G. Er ist unser Champion, der Beste der „boys from the road“, und erreicht den zweiten Platz.

Wie sonst auch steht vor dem Contest eine ausgiebige Face Inspection an

Die FWT-Crew verschwindet schnell wieder, eilt zum nächsten Zirkus, zum Finale in Verbier, meiner Heimat in Europa. Ich lasse mir mehr Zeit und verlasse Haines nur wider­willig. Ich trage Alaska jetzt in mir. Es ist wie ein Virus, der mich anbet­telt, mein Haus zu verkaufen und hier zu bleiben, um bis an mein Le­bens­ende in Alaska Ski zu fahren. Aber ich muss aufbrechen. Ich weiß, dass ich zurückkehren werde – und zwar schon in einer Woche, zum Filmen. So ist das Leben eines rei­senden Skifahrers. Dies ist nicht das Ende, sondern der Anfang des Rests meines Lebens. Alaska erfüllt alle Klischees, die man sich vorstellt, und vieles mehr. Ich kann es nicht erwarten, wieder mit dieser Schönheit zu tanzen. Ich hoffe, dass meine Brüder von der Straße dann wieder dabei sind – aus der Zeit gefallen, aber immer hoch konzentriert.

Tags : audiFreeride World TourhainesRoad Tripvancouver

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