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Freeski Road Trip von Vancouver nach Haines

Tag sieben

Wir holpern einen Feldweg hinauf zur Ranch des Cowboy- und Rodeo-Helden Gene Allen. Große, tiefe Falten durchziehen sein kantiges Gesicht, Falten, die er bei harten Erfahrungen gesammelt hat, dazu blaue Augen mit einer fast traurigen Strenge, die dir von Dingen erzählen, die wir niemals erleben werden. Gene ist in der Gegend aufgewachsen und hat schon früh gelernt zu jagen, Fallen zu stellen und das Land sei­ner Familie vor den Wolfsrudeln zu schützen, die bei der geringsten Ge­­le­gen­heit die Pferde in Stücke rei­ßen. Große, kraftvolle Pferde, die aus einem Märchen zu stammen scheinen, streifen über die Koppel. Bei der Besichtigung der Ranch unterhalten wir uns über die Ähnlichkeit zwischen Rodeo-Wettbewerben und Freeriden: beides sehr riskante Sportarten, die süße Belohnungen be­reit­halten. „Rodeoreiten war etwas, was ich einfach tun musste, was ich aus meinem System heraus ma­chen musste“, lässt er uns wissen.

Gene Allen
Wo kaum Straßen durch die Natur führen, sind Cowboys wie Gene Allen nicht weit

Wie aufs Stichwort wirft sich Wille auf den ungesattelten Rücken von „Black Beauty“. Er kann sich kaum hal­ten, greift die Mähne und die Stu­te rast wie eine Rakete dem dunklen Wald entgegen, der Rest der Herde hin­ter­her. Willes langes blondes Haar verschwindet im wirbelnden Chaos. Ein perfektes, scharfes Licht leuchtet über der Szene, nur durchbrochen vom Nebelhauch unseres Atems. Gene gackert vor Freude, wäh­rend der Staub in den riesigen Himmel wirbelt. Schließlich bringt uns die Stute den Schweden wieder zurück – völ­lig unverletzt und mit Augen, die heller strahlen als das Blau über uns. Ein schöner rostbrauner Hengst zuzelt an meinem Rücken und scheint mich tatsächlich zu fragen, ob ich ihn reiten möchte. Ich klettere vor­sich­tig auf seinen Rücken, streichle seinen Hals und beruhige ihn – ich sitze zum ersten Mal auf ei­nem Pferd. Wir trotten gemächlich herum und ich beginne, mich zu fragen, wie ich wohl mit einem breitkrempigen, schwarzen Lederhut aussähe.

Sam Smoothy
Das war es wonach Sam und die Crew gesucht haben – die bekannten AK Spines

Gene gibt uns grob die Richtung an, wo wir seinen Freund Roy Henry Vickers finden. Wir treffen ihn in seinem Haus am Skeena River. Roy ist Totempfahlschnitzer und Künstler. Er bittet uns unter das Baumwoll­dach seiner Werkstatt in eine komplett andere Welt. Ein gewaltiger Zedernstamm, in den er sorgfältig zwei riesige Lachse geschnitzt hat, liegt auf dem Zeltboden. Roy erzählt uns seine Geschichte und die seines Volkes. Während er redet, händigt er uns handgefertigte Werkzeuge aus. Einige davon sind älter als wir, Geräte von einer ureigenen Schönheit, die seine tiefgründigen Worte in einer hölzernen Realität verankern. Die Leidenschaft und Gefühle, die er für sein Volk und dessen Land empfindet,

Roy Henry Vickers

übertragen sich durch seine in unsere Augen und durch seine Werk­zeuge in unsere Hände. Er ver­mittelt uns die reiche Geschichte die­ser Gegend, bis auch unsere Augen leuchten. Wir sind zum Skifahren hergekommen, aber diese Reise nimmt ihre eigene Richtung. Plötzlich geht es um viel mehr – wie es eben bei einem Road Trip auch sein sollte.

Tags : audiFreeride World TourhainesRoad Tripvancouver

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