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Canyon Offspring AL 16″ – Kinder-Mountainbike im Test

Mountainbikes in 12 und 16 Zoll findet man heute wie Sand am Meer, vor allem im Netz. Markige Modellnamen, dicke Rohre, fetziges Design – mehr bleibt aber oft nicht vom Offroad-Traum übrig. Die Koblenzer zeigen mit dem Canyon Offspring AL wie es richtig geht…

Fällt die Wahl auf ein Mountainbike – und wer könnte es unserem Nachwuchs bei uns als Vorbildern übel nehmen – bleiben nicht so viele Räder übrig, die einen zweiten Blick lohnen. Dabei spielen Handlebarkeit und Gewicht eine nicht unwesentliche Rolle. Das Rad soll sicher sein und beherrschbar. Die Qualität darf gerne top sein und letztlich muss das Ding unseren Kleinen ja auch noch gefallen. Beim letzten Punkt, und einem tränenreichen Wutanfall, springen schon einmal gute Modelle über die Klinge. Wer diese Punkte also alle unter einen Hut bekommt, hat als Hersteller gute Karten. Wir haben uns das Canyon Offspring AL 16″ für einen Test mit unserem jüngsten Tester Kimi (4) kommen lassen.

Erste Ausfahrten und Erfahrungen mit dem Offspring
16″ eignen sich gut für Kinder mit einer Körpergröße ab etwa 100cm.
Der massive Alurahmen ist modern designed, sehr gut verarbeitet und verschliffen.
Der massive Alurahmen ist modern designt, sehr gut verarbeitet und die Schweißnähte sauber verschliffen

Das Offspring kommt als Alubike mit einem massiven und durchaus gefälligen Rahmendesign in zwei Farbvarianten daher. Es wirkt bullig und ist mit seinen 8.2kg leider nicht besonders leichtgewichtig. Angesichts der Ausstattung mit Scheibenbremsen und der außergewöhnlichen Laufradkombination muss man abwägen, ob ein Kilogramm weniger das wieder aufwiegt.

Laufradmix als Alleinstellungsmerkmal bei Kinder-MTBs

Irgendwie anders schaut es aus. Bei dem ein oder anderen dürfte es auch etwas länger dauern, bis das markanteste Detail auffällt: das Bike hat zwei unterschiedlich große Laufräder!
Vorne bügelt sich eine 18-Zoll-Felge (Alex MD19) durch den Dreck, während es am Hinterbau mit einer 16er Felge vorwärts geht. Dafür gibt es einen Grund und der ist dank der 29″-Revolution auch einfach nachvollziehbar: das größere Vorderrad bietet mehr Laufruhe und schluckt Unebenheiten klagloser als das 16er. Das Prinzip ist nicht neu. Syntace hat mit seiner MTB-Marke Liteville und dem Modell 301 schon seit einigen Jahren eine sehr fortschrittliche Technologie im Angebot, die sich Scaled Sizing nennt und ebenfalls u.a. unterschiedliche Laufradgrößen ermöglicht.
Die starre und gerade Gabel des Offspring macht einen außerordentlich stabilen Eindruck und ist nach unserem Ermessen in Sachen Steuerrohr-Winkel und Nachlauf ideal ins Gesamtkonzept eingepasst. Mit dem ultrakurzen Vorbaustummel sitzt unser kleiner Testfahrer sehr aufrecht. Die Bereifung hat sich Canyon bei Kenda besorgt, keine schlechte Wahl, die K50 sind gut profiliert und eignen sich auch für Ausflüge durch die nächste, tiefe Schlammpfütze. Eigentlich sind es ja BMX-Reifen, aber warum nicht. Ersatz gibts für wenig Geld.

Die Automatikschaltung SRAM Automatix

Ein weiteres Highlight am Canyon Offspring lauert als Nabe am Hinterrad. Um sich bei einem Ausflug mit Mama und Papa nicht einen Wolf zu kurbeln, verfügt das Modell über ein automatisches und wartungsfreies Zweigang-Getriebe – die SRAM Automatix. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit schaltet die Nabe in den zweiten Gang – ebenso auch wieder in die andere Richtung. Außer einem ganz leisen Klicken im Nabengehäuse ist davon nichts zu hören und der Schaltvorgang ist auch unter Last problemlos – ideal also für Kinder. Erstaunlich, dass sich diese so simple Technik gerade an Kinderbikes nicht viel umfassender durchgesetzt hat.

SRAM Automatix Zweigang-Nabenschaltung
SRAM Automatix Zweigang-Nabenschaltung

Verzögerungstaktik Disc

Scheibenbremsen an einem 16″ Kinderbike? Ja warum denn nicht! Über die Jahre ist uns doch so einiges an Kinderrädern duch die Redaktion gerollt und viele davon waren mit mehr oder minder primitiven Felgenbremsen der billigsten Bauart ausgestattet. Da sind die gerne verbauten Tektro Junior noch ein Glücksfall, wenn montiert. Mit das wichtigste ist doch das Bike sicher, schnell und kontrolliert zu verzögern. Die verbaute SRAM Level Disc spielt schon preislich in einer komplett anderen Liga als die üblichen Felgenbremsen.

SRAM Level Disc Scheibenbremse
SRAM Level Disc Scheibenbremse
SRAM Level Disc am Hinterrad
SRAM Level Disc am Hinterrad

Das etwas puristisch angehauchte Design passt gut zum Bike und erlaubt zudem noch die Griffweitenverstellung. Das ist vermutlich bei fast jedem Kind notwendig und auch wir haben die Bremsgriffe ordentlich zurückgeschraubt, bis es passte. Die Bremskraft ist auch mit zarten Kinderhänden und dünnem Bizeps hervorragend und reicht problemlos bis zur Blockade, wenn denn gewünscht. Mit ein paar Minuten Übung hatte Kimi die Dosierung heraus, obwohl das vorher genutzte Specialized Rockhopper einen ganz anderen Druckpunkt aufwies.

Die Bremshebel lassen sich in der Griffweite verstellen. Dafür müssen zunächst die Griffe runter.
Die Bremshebel lassen sich in der Griffweite verstellen. Dafür müssen zunächst die Griffe runter.

Ähnliche Bikes

Wie schon Eingangs erwähnt, es gibt nicht sehr viele Kinderbikes, die in der Ausstattungsklasse des Canyon mitspielen können.
Nennenswert wäre das aus England stammende Earlyrider Belter Trail 16″ mit Riemenantrieb und erstaunlichen 5.65 Kilogramm. Dafür gibts aber eben auch keine Discs und eine Schaltung auch nicht. Abgesehen davon wird es in homöopathischen Mengen produziert, wer kaufen will, muss warten. Einen Hunderter kann man sich mit dem Earlybird sparen.

Auch das Supurb BO16 ist ein sehr eigenständiges Modell und bietet mit der SRAM Automatix zwei Gänge. Gebremst wird mit der V-Brake-Kombi aus Avid FR5 und SD3. Preislich liegt das Supurb gleichauf mit dem Canyon Offspring und wiegt ein Kilogramm weniger.

Testfahrer Kimi war mehr als zufrieden mit den Offspring.
Testfahrer Kimi war mehr als zufrieden mit den Offspring.

Fazit zum Kinder-Mountainbike Canyon Offspring 16″ AL

Es ist schon mehr als nur ein Statement was Canyon mit dem Offspring und seinem Schwestermodell Offspring AL 20″ anbietet. Die beiden Bikes definieren eine bisher nicht existente Bikeklasse. Gar nicht mal unbedingt beim Preis, auch wenn 499 Euro für ein so kleines Rad schon ganz schön weh tun. Teure Kinderbikes gab es immer schon, die Frage war immer nur, ob sie das den Eltern wert sind. Vielmehr hat Canyon einen sehr smarten und umfangreichen Komponentenmix mit einem wirklich toll verarbeiteten und gefinishten Rahmen zusammengestellt.

Am Hinterbau wäre vielleicht ein Protektor für den Rahmen sinnvoll gewesen, da das Rad von den Kindern abgelegt wird oder schon mal fällt. Dankbar wird mit Sicherheit aber der Schnellverschluss der Sattelstütze aufgenommen – das spart unendlich viel Zeit mit schnell wachsenden Kindern. Werkzeug für die Erstmontage und Montagepaste liegen dem Rad bei – auch das ist kein Standard, sondern vorbildlich.

Das Konzept stimmt, das Bike ist außerordentlich sicher, erlaubt dank der Automatik auch Touren mit den Eltern und die Kinder lieben das Auftreten des bulligen Offroaders. Der natürliche Lebensraum des Offspring liegt zwischen Straße, Feldweg und gemäßigtem Trail. Der Preis geht angesichts der Ausstattung absolut in Ordnung und das relativ hohe Gewicht muss man in Kauf nehmen.
Mission completed, Canyon. Das erste Kinderbike aus Koblenz wird gleich zu einem echten Kracher. Klare Kaufempfehlung.

Canyon Kids Bikes
Das Canyon Offspring 16 für 98 cm – 1,15 m große Kinder

Link zum Hersteller Canyon / Canyon Offspring AL 16″

Tags : CanyonKinderbikes

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