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Aleuten – Alaskas vergessene Inseln

Mit den Aleuten verbinden wir  – wenn überhaupt – eine eher ungemütliche Inselgruppe im Westen Alaskas, die den Pazifik von der Beringsee trennt. Dass man auf diesem unwirklichen Fleckchen Erde aber auch skifahren kann, daran hat bestimmt noch niemand ernsthaft einen Gedanken verschwendet. Bis jetzt! Fotograf Reuben Krabbe hat mit den Ridern Tobin Seagel und Alex Taran eine unerschrockene Crew auf die vergessene Inselgruppe verfrachtet, um die weißen Vulkane auf ihr Ski-Potential zu testen.

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Nicht gerade vertrauenserweckend…

Downdays
Seit geschlagenen vier Tagen hängen wir nun in der moorastigen Tundra auf Umnak Island fest, ohne überhaupt einen Berg gesehen zu haben. Allein gestern haben uns 14 isolierte Regenschauer nacheinander den Blick auf den Gebirgszug versperrt. Doch jetzt in der Morgendämmerung an Tag Fünf offenbart sich Mt. Vsevidof in einem dramatischen Licht. Enige Stunden später traversieren wir auf unseren Kanten die Hänge unterhalb des Gipfels, in einem zu Beton verpresstem Schnee. Kurze Kurz darauf befinden sich unsere Skier auf unseren Rücken und wir meißeln unsere Steigeisen in die Flanke, die scheinbar senkrecht nach oben zum Rand des Kraters zu führen scheint. Dieser thront auf 2.150 Metern Höhe und ist keine sechs Kilometer von der Küste entfernt. Nach Osten öffnet sich der imposante Kessel und blickt auf seinen kleinen aber deutlich wilderen Bruder, den Mt. Recheshnoi.

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Diese steilen Flanken des Mt. Vsevidof bleiben der Crew vorerst unerreicht – und wahrscheinlich auch für immer

Die Berge präsentieren sich wie ein altes charakterstarkes Gesicht, deren Falten zum Freeriden wie geschaffen sind. Tausende Jahre haben die mächtigen Stürme vergeblich versucht, die schroffen Couloires des Vulkans abzuschleifen. Diese verästeln sich aber unbeirrt weiter unten wie Adern in immer kleinere Channels, die sich schließlich fast bis an die Küste der eiskalten Beringsee verästeln.

Ich bin schon viele Touren mit Alex gegangen, doch anders also sonst läuft sie nicht in ihren sonoren Rhythmus, sondern unterbricht ihren Schritt immer wieder, um nach oben zu blicken. Kumulus-Wolken schlagen schon den ganzen Morgen wie Walzen unter uns gegen die Küste. Lange wird es nicht dauern, bis sich ihren Weg zu uns nach oben bahnen. Schon kurze Zeit später sehen wir von den karstigen Felsformationen nichts mehr und wir sind gezwungen, die Felle von unseren Skiern zu ziehen. Nasser, kalter Wind schlägt uns entgegen, und große weiße Flocken verirren sich in die Packsäcke unserer Steigfelle. Plötzlich sind wir gefangen in einen weißen Raum, der sich zwischen den Bergen des Mt. Vsevidof gebildet hat und dessen Wände sich bis auf Armlänge zusammengezogen haben.

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