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7 Fragen… zum Bau einer Flusswelle

Auf dem Deschutes River in Oregon ist eine künstliche Flusswelle gebaut worden – in Deutschland dürfen viele Initiativen von solchen Realisationen nur träumen. Wir haben bei Chelsea Schneider, der Projektleiterin des Bend Whitewater Parks, nachgefragt, wie das möglich war.

1. Wie sah der Fluss aus, bevor die Welle gebaut wurde?

Das fertige Produkt. Ganz link der recht naturbelassene Fluss, in der Mitte ein der drei Flusswellen und ganz rechts der Kanal für Schlauchbotte und Paddler.
Das fertige Produkt. Ganz links der recht naturbelassene Fluss, in der Mitte eine der drei Flusswellen und ganz rechts der Kanal für Schlauchboote und Paddler.

Früher, also vor weit über einem Jahrzehnt, diente der Fluss der Holzwirtschaft. Damals ließ man die Baumstämme einfach flussabwärts treiben und baute auch einige Dämme, um die Stämme dahinter, ohne jegliche Strömung, sammeln zu können. Irgendwann machten die Holzwirtschaftsfirmen zu, und auf dem Fluss blieben die nun nutzlosen Dämme zurück. An der Stelle, wo heute die Welle steht, war auch genau so ein Damm, ein extrem gefährlicher übrigens. Das war eine fast drei Meter hohe Stufe, über die das Wasser herabstürzte und eine Weißwasserwalze formte. Wer hinabstürzte, wurde von dem Strudel an der Stelle gehalten und war in  akuter Lebensgefahr. Im Sommer musste die Feuerwehr sicher jeden Monat dort mindestens zu einem Rettungseinsatz anrücken. Die hohe Stufe war dagegen ein Glücksfall für uns, weil wir das Gefälle für die Wellen nutzen können.

2. Wie viel Zeit verging von der Idee bis zur fertigen Welle?

Zehn Jahre! Ein Grund für den Bau der Flusswelle waren aber auch die vielen Ruderer und Kajaker, die früher ihre Boote mühsam um die Brücke herumtragen mussten. Heute können sie neben der Welle durch einen Kanal paddeln. Der eigentliche Bau ging dann schneller und war nach 12 Monaten fertig.

3. Warum hat es so lange gedauert?

Das größte Problem war, genug Geld zu bekommen, das hat ewig gedauert. Am Ende übernahm der Bend Park and Recreation District (= in etwa die Parkverwaltung rund um die Stadt Bend in Oregon) eine Bürgschaft für das Projekt, und die Bend Paddle Trail Alliance (= ein großer Paddelverein) brachte zusätzlich noch über eine Million Dollar auf. Der Bau selbst stellte dagegen keine Probleme dar. Wir konnten sogar zwischen drei Firmen auswählen, die alle das Know-How hatten.

4. War von Anfang an alles perfekt?

Nein, wir hatten im letzten September einen kurzen Testlauf und haben dann im Laufe des Winters noch einige Veränderungen vorgenommen. Für die Eröffnung, jetzt im März, war dann alles perfekt. (Wie die Welle genau jetzt aussieht, zeigt die Webcam. Tipp: Zeitunterschied bedenken.)

5. Kann man die Flusswelle verändern?

So sieht die Kommandozentrale aus, in der die Welle eingestellt wird. Willkommen in der Zukunft!
So sieht die Kommandozentrale aus, in der die Welle eingestellt wird. Willkommen in der Zukunft!

Ja natürlich, wir nutzen mehrere Wehre, die wir per Druckluft auf die gegeben Anforderungen und Umstände einstellen können, um den Wasserfluss zu verändern. Wir haben einen Angestellten vor Ort, dessen Aufgabe darin besteht, die Welle je nach Wassermenge im Fluss optimal einzustellen. Im Prinzip ist alles auf den Sommer ausgerichtet, wenn die Abflussmenge durch das Schmelzwasser viel größer ist. Die Bilder, die wir jetzt sehen, stammen aus dem Winter bei weniger optimalen Bedingungen.

6. Bei uns in Europa gibt es viele Initiativen für neue Flusswellen. Eines der größten Probleme ist dabei oft die Frage der Haftung. Wer ist verantwortlich, wenn etwas passiert? Gab es in Oregon ähnliche Bedenken?

Nein, in unserem Staat gibt es ein Gesetz, das Haftung für Unfälle in einem Erholungsgebiet, wie dem Fluss, ausschließt. Wer hier ins Wasser geht, handelt auf eigene Verantwortung und ist sich dessen auch bewusst. Deshalb gibt es auch keine Lifeguards. Aber natürlich sollte die Welle so sicher wie möglich designt werden. Bisher haben wir auch noch von keinen Sicherheitsbedenken gehört.

7. Wie viele Surfer sind momentan im Durchschnitt an der Flusswelle?

So zwischen sechs und acht sowie ein paar Kajaker. Das werden im Sommer, wenn die Welle besser läuft, sicher mehr.

und wie sieht das ganze nun aus?

Tags : BauFlusswelleRiver SurfSurfing

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